Einfach Klassik.

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CD-Review: Elisabeth Plank – „chimaera“

Wenn ich die Karriere der Wiener Harfenistin Elisabeth Plank aus der Ferne verfolge, dann bekomme ich langfristig den Eindruck, dass sie sich mit Ruhe und Bedacht durch ihren eigenen Prozess als Musikerin bewegt. Ein interessantes Projekt folgt dem nächsten, dadurch bleibt sie immer unabhängige Künstlerin, und das scheint ihr sehr wichtig zu sein.

Das Konzept ihres neuen Albums „chimaera“ passt gut zu diesem Eindruck. Werke der Neuen Musik hat Plank schon länger in ihren Konzertprogrammen, aber sie hat sie bisher noch nicht wirklich aufgenommen. So ist „chimaera“ eine Zusammenstellung ausschließlich moderner Werke, die zum Großteil für sie komponiert oder angepasst wurden. Und die Harfenistin konzipiert konsequent. Das Album wird nur digital veröffentlicht, und zusätzlich bietet Elisabeth Plank auf ihrer Website Interview-Videos mit den sechs Komponist*innen des Albums an. Darin stellen sie sich vor, erklären ihre Werke, und manche Stücke spielt Plank sogar kurz an. Das ist ein großer Schatz und eine tolle Möglichkeit, Neue Musik im Allgemeinen und „chimaera“ im Speziellen kennenzulernen.

Die Stücke auf dem Album sind stilistisch sehr unterschiedlich. Monika Stadler wandelt in „Alpine Impressions“ durch ihre österreichische Heimat, Pier Damiano Peretti rekonstruiert in „…nia nia…“ ein süditalienisches Volkslied. Und Elisabeth Plank ist mittendrin. Wie ein Medium macht sie die unterschiedlichen Musiken hörbar, sie ist nicht nur die Mittelsfrau für die kompositorischen Intentionen, sondern auch Gestalterin, durch die die Kompositionen im Spiel nochmal verändert werden. Die durch diese Interpretation entstehenden Unterschiede kann ich natürlich nicht erkennen, da ich nicht weiß, wie es im Kopf der Komponist*innen klingt, aber Elisabeth Plank als charaktergebende zentral Beteiligte in diesem Prozess wird durch ihre musikalische Persönlichkeit sehr deutlich. Gerade in „…nia nia…“ kann sie das in den vielen spielerischen Spezialtechniken gut darstellen. Sie ist dabei besonders darauf bedacht, Eigenes von sich in den Vortrag einzubringen, auch in gewissen Akkordabschlägen in Monika Stadlers „Alpine Impressions“ höre ich das.

Elisabeth Plank konzentriert

Eine besondere Verbindung besteht auch zu „Atlantis 2, Op. 49“ von Konstantia Gourzi. Das Werk hat Bezug zur griechischen Heimat der Komponistin und die Harfenistin bringt die wichtigen Eigenschaften dieser Musik wunderbar hervor. Die vielen charaktervollen Melodien stellt Elisabeth Plank mit starker, aber stiller Konzentration, fast schon Introversion, in den Raum. Lässt Töne verklingen, behält viel Ruhe und Bedacht für die Pausen. Diese Komposition erfüllt die durch ihren Titel geweckten Erwartungen ganz anders als gedacht, und die Harfe ist dafür das perfekte Instrument, und Plank ist dafür die perfekte Musikerin. Das passt zu der Tatsache, dass Gourzi das Stück extra für die Wiener Musikerin angepasst hat.

Elisabeth Plank, Foto © Julia Wesely
Elisabeth Plank, Foto © Julia Wesely

Eine andere Elisabeth Plank erleben wir dann in Wolfram Wagners „Ballade“. Der verhaltene Beginn steigert sich schnell hin zu vordergründigen, raumgreifenden musikalischen Themen, denen Plank mit viel Spielfreude Größe verleiht. Im Gegenzug hält sie die leisen Stellen nahe an der Unhörbarkeit, wodurch eine große Lautstärkendynamik entsteht.

Jovial und fröhlich

Das schon öfter erwähnte „…nia nia…“ kehrt den Prozess einer Themenvariation um und nähert sich über fünf Sätze von Abstraktion aus dem ursprünglichen Thema einem süditalienischen Volkslied an. Elisabeth Plank agiert dabei sehr jovial und fröhlich und bewegt sich mit äußerst viel Spielfreude durch die verschiedenen Themenspannungen.

Mit „chimaera“ bringt uns Elisabeth Plank nicht nur eine Standortbestimmung ihres Instrumentes in der Neuen Musik, sondern auch abwechslungsreichen Hörgenuss, den auch in der Moderne ungeübte Hörer*innen nicht verpassen sollten!

Titelfoto © Julia Wesely

Das Album

Icon Autor lg
Stefan Pillhofer ist gelernter Toningenieur und hat viel Zeit seines Lebens in Tonstudios verbracht. Er hat viel Hörerfahrung mit klassischer und Neuer Musik gesammelt und liebt es genau hinzuhören. In den letzten Jahren hat sich die Neue und zeitgenössische Musik zu einem seiner Schwerpunkte entwickelt und er ist stets auf der Suche nach neuen Komponist*innen und Werken. Stefan betreibt das Online-Magazin Orchestergraben, in dem er in gemischten Themen über klassische Musik schreibt. Darüberhinaus ist er auch als Konzertrezensent für Bachtrack tätig.
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