Margarita Höhenrieder verbindet Mozart mit Tango Nuevo – und beweist, dass Authentizität keine Genregrenzen kennt
Mozart und Tango auf einer CD? Klingt nach Crossover-Marketing, nach dem Versuch, zwei Welten zu verkuppeln, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Aber halt: Wir reden hier von Margarita Höhenrieder. Die Münchner Pianistin hat Gimmicks noch nie nötig gehabt – ihre Weltoffenheit ist echt, nicht inszeniert. Und was hier zusammenkommt, hat Geschichte: Mit dem finnischen Pianisten Antti Siirala verbindet sie eine Freundschaft seit 1997, als der damals Achtzehnjährige den Wiener Beethoven-Wettbewerb gewann. Heute lehren beide an der Münchner Musikhochschule.
Mozart zu zweit – ein Dialog ohne Eitelkeiten
Schon die ersten Takte von Mozarts Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365 zeigen: Hier haben zwei nichts mehr zu beweisen. Höhenrieder und Siirala nehmen sich Zeit, wählen ruhige Tempi – nicht aus Vorsicht, sondern aus Souveränität. Vier Hände auf zwei Flügeln verschmelzen zum Dialog, mit einer Selbstverständlichkeit, die man nicht proben kann. Dahinter stehen zwei Temperamente, die sich ergänzen: Höhenrieders zupackender Anschlag trifft auf Siiralas nordische Klarheit. Das Wiener Concert-Verein unter William Garfield Walker hält mit, ohne sich wegzuducken. Der Rondo-Satz am Ende ist funkelnde Feinmechanik und Sprungbrett für die Kadenzen zugleich.
Vom Konzertsaal nach Buenos Aires – Höhenrieder und Choveaux
Dann der Sprung nach Buenos Aires. Höhenrieders Argentinien-Affinität ist kein neues Hobby, und mit der französischen Komponistin Françoise Choveaux verbindet sie eine lange Freundschaft – fünf Werke, hat Choveaux ihr bereits gewidmet. Choveaux, Jahrgang 1953, hat am selben Institut studiert wie Höhenrieder, in Baltimore bei Leon Fleisher. Knapp 300 Kompositionen später liegt nun ihr Concerto for Piano, Bandoneon and Orchestra „Cristián en el Café Tortoni Buenos Aires“ op. 261 vor, eine Hommage an jenes Künstlerlokal, wo einst Carlos Gardel und Borges ihre Cortados tranken.

Das neu aufgenommende Stück auf dieser CD für Bandoneon, Klavier und Orchester zeigt, was passiert, wenn Tango die Fesseln des Klischees abstreift und dadurch mühelos ins Terrain des sinfonischen Solokonzerts wagt. Der fabelhafte Bandoneonspieler Sébastien Innocenti eröffnet den Raum, in den sich das Klavier einfädeln darf. Orchester und Solisten kämpfen lustvoll ums Pathos. Höhenrieder spielt mit fast jazziger Freiheit, aber die DNA bleibt lesbar: absteigende Chromatik, agogisch gedehnte Stimmungswechsel. So klingt Tango Nuevo, wenn er seine Wurzeln kennt, aber im Heute angekommen ist.
Aufgenommen wurde das Ganze im November 2024 im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins – akustisch ein Traum für diesen intimen Sound. Mozart und Tango teilen mehr, als man denkt: die Kunst, mit wenigen Tönen viel zu sagen. Das Spiel alle Beteiligten macht hörbar, dass solche Verbindungen umso besser funktionieren, je mehr persönliche Geschichte dahinter steht. Das ist Wunscherfüllung für die Musiker – und für alle, die zuhören.


