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Einfach Klassik.

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opia consort Cover

CD-Review: opia consort – As you like it 

Ein Gastbeitrag von Vera Marzinski

Mit seiner ganz individuellen Klangsprache geht das „opia consort“ eine Fusion aus Alter Musik, Improvisation und Volksmelodien ein – grenzgängerisch und authentisch. Aufgenommen im Lorely-Saal in Wien, der aufgrund seiner besonderen Akustik hervorragend für akustische Ton-Aufnahmen geeignet ist. Und so ist das „As you like it“ der sechs Musikerinnen und Musiker von „opia consort“ ein Werk voll klanglicher Vielfalt und Intensität, rhythmischer Finesse und experimenteller Spielfreude geworden. Eva Leonie Fegers (Blockflöten und Gesang) Alina Loewenich (Blockflöten) und Fabio Kapeller (Percussion) gründeten nach mehrjähriger Zusammenarbeit in verschiedenen Konstellationen im Frühjahr 2019 das Ensemble „opia consort“. Alexander Gergelyfi (historische Tasteninstrumente) kam noch hinzu und seit 2021 spielen sie in der jetzigen Besetzung –  vervollständigt durch Friederike Vollert (Blockflöten) und Julia Willeitner (Gamben).

Wie zum Tanz aufspielend beginnt „As you like it“. Es ist eine Einladung zum Einlassen auf den Musikreigen, den diese Aufnahme des „opia consort“ bietet. „As you like it“, also namentlich ganz wie das Theaterstück von William Shakespeare. Wie es euch gefällt (frühneuenglisch As you Like it) präsentieren sie 14 unterschiedlichste (Musik-)Stücke. Im Theater wäre es ein beständiger Wechsel von Drama und Komödie. Hier sind es mal melancholische, mal heitere lebendige Interpretationen sowie Rekomposition und Improvisation der Musik des Spätmittelalters, der Renaissance und des Frühbarocks.

Von Henry VIII. bis Monteverdi

Ausführlich wird der Schnipstanz“ – „Schiarazula Marazula“ von Mainerio – im Booklet beschrieben, der sich zwischen die beiden „Helas Madame“ von Henry VIII. schiebt. Genau der Henry, der 1509 zum König von England gekrönt wurde und bei dem Musik eine herausragende Rolle an seinem Hof spielte. Der darauffolgende „Basse Dance & Tourdion“ von Pierre Attaingnant ist ein lebhafter Springtanz, dessen Musik im 6/8-Takt steht und zunächst gemächlich anfängt. Mit Einsatz des Tasteninstrumentes heben sich die Stimmung und Schnelligkeit schon ein wenig und mit dem Wechsel von der Bassflöte wird es lebhaft. „Zefrio torna e’l bel tempo rimena – ma per me, lasso” – frei übersetzt „Zefrio kehrt zurück und mit ihm das gute Wetter – aber für mich ist es Zeit“ hat viel von Abschied nehmen. Das Stück stammt von Luca Marenzio, ein italienischer Komponist der Renaissance (1553-1599), der den Text von Francesco Petrarca (1304-1374) vertonte. Neben der Freude, dass der Windgott Zephyr andauernd schönes Wetter mitbringt, sind auch Seufzer, die aus tiefstem Herzen kommen, zu hören. 

opia consort, Foto © Severin Koller
opia consort, Foto © Severin Koller

Fröhlich geht es weiter – Giovanni Maria Trabaci liefert passenderweise das „La Talianella“, bei dem der Hörer förmlich spürt, wie die Tanzpaare über das Parket schweben. Ganz anders die „Waldeinsamkeit“. Ein Quodlibet aus zwei Liedern des Schweizers Ludwig Senfl: das „O Eslein, liebes Eslein mein“ mit „Es taget vor dem Walde“. Ersteres bringt die schmerzende Sehnsucht des Komponisten nach seiner Geliebten zum Ausdruck, das Zweite ist eine Art Lockruf zwischen einem jungen Alphirten und einem Mädchen bei aufgehender Sonne. Beides wunderbar miteinander verwoben. Ein langsamer, würdevoll-adliger Tanz, mal im Dreier- und mal in einem Vierertakt ist die Pavane.Ein(meist) geradtaktiger, feierlich-langsamer Schreittanz bzw. Reigentanz angeblich spanisch-italienischer Herkunft, der über ganz Europa verbreitet war und im 16. und 17. Jahrhundert getanzt wurde. Hergeleitet wird diese Deutung vom spanischen Wort „pavo real“ (der Pfau), da der Tanz das Stolzieren des Pfaus mit ausgebreiteten Schwanzfedern imitiere. Man sieht förmlich die Herrschaften in steifen, prunkvollen Gewändern. Zwischen die „Panduana“ und die „Gallard“ von Johann Schop fügte das Ensemble als Quodlibet das schottische „Rember my Flow in Hell“ aus dem 16. Jahrhundert – gesungen von Fegers. 

Eine bunte Mischung

Gleich drei Quodlibets finden sich auf der CD. Sehr passend zum Titel, denn das lateinische Wort Quodlibet bedeutet wörtlich „wie es beliebt“. Und tatsächlich ist in der gleichnamigen musikalischen Gattung alles erlaubt – ganz nach dem Belieben. Im Grunde ist die gesamte CD als Quodlibet konzipiert. Eine bunte Mischung. Wie die bunte Mischung an Bäumen auf dem Cover. Das Layout stammt von Malte Laslo Katthagen die Fotos von Severin Koller und Christoph Varga. Und was ist so eine Aufnahme ohne die richtige Mischung – die kommt von Tonmeisterin Veronika Weber. Außerdem im Booklet ausführliche Informationen zu den Komponisten und Stücken – auf Englisch und Deutsch. „Oh du lieber Augustin“ im Quodlibet „O schöne Welt“ fasst Trinkeskapaden und Liebeswirrungen – ganz wie in Shakespeare-Stücken – zusammen. Abschließend das „Si dolce“ von Claudio Monteverdi in einem Satz von Alexander Gergelyfi. Monteverdi, der die Brücke zwischen der Renaissance und dem Barock schlug, komponierte zahlreiche musikalische Revolutionen. Seine Stücke sind – wie auch das „Si dolce“ – reich an Überraschungen, dynamischer Auf- und Abwärtsbewegungen. So wie die gesamte CD. 

Nach dem intensiven Hören der CD, die ein mehr als nur ein facettenreiches Gesamtwerk ist, passt Shakespeares Devise „Die ganze Welt ist eine Bühne“. Rasant wechseln auch in der Auswahl der Musikstücke hier Gefühlszustände und Schauplätze. Alles ist Verwandlung. Alles ist Fantasie. Alles ist möglich – und vieles dreht sich um die Liebe. Wie es beliebt – scherzhaft, sinnlich, dramatisch. Dabei klingen manche Instrumente solistisch. Es ist aber auch der reine Blockflöten-Klang oder auch der Consortklang zu hören. „opia consort“ spielen in großer und kleiner Besetzung ganz im Sinne von „Wie es Euch gefällt“ oder eben „“As you like it“. 

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