Wenn sich fünf befreundete Musiker*innen aus drei verschiedenen Ländern über zwei Jahre hinweg regelmäßig treffen, um eine bestimmte Werkgattung eines Komponisten zu erforschen und durchzuspielen, und wenn sie sich dabei keinen zeitlichen Rahmen setzen, dann geht es hier eher um Idealismus als um Produktion. Der Komponist ist im vorliegenden Fall W. A. Mozart und die Werkgattung seine sechs Streichquintette.
Lorenza Borrani (Violine), Maia Cabeza (Violine), Max Mandel (Viola), Simone von Rahden (Viola) und Luise Buchberger (Violoncello) – sie alle sind erklärte Mozart-Fans und sahen die Möglichkeit, sich in dieser Besetzung zu treffen und sich die Streichquintette mit historischen Instrumenten zu erschließen und zu erarbeiten. Mit dem von Mozart selbst ausgedachten Fantasiewort „Spunicunifait“ (eigentlich „Spuni Cuni fait“, aus einem Brief an seine Cousine) war dann auch der Name für dieses Ensemble gefunden.
Diese so eingehende Beschäftigung mit den sechs Streichquintetten, die über einen weiten Zeitraum seines Lebens entstanden sind, erforderte auch angemessenes Instrumentarium, und so spielen die Fünf auf historischen Instrumenten, um dem Klang, der bei damaligen Aufführungen geherrscht haben könnte, womöglich noch ein wenig näher zu kommen. Dieser technische Hintergrund gibt der Aufnahme dahingehend eine besondere Klangcharakteristik, dass Interpretationsbögen und vor allem Dynamikunterschiede mit anderen Formantverläufen geschehen, was die einzelnen Stimmen, plakativ gesprochen, für mich in singender Weise weicher klingen lässt. Und das nutzt Spunicunifait natürlich weidlich zur Erzählgestaltung aus. In den schnelleren Sätzen gibt es dafür am meisten Gelegenheit, und gerade in den beiden in Moll stehenden Quintetten KV 406 und KV 516 sind die Möglichkeiten dabei noch reizvoller. Die vielen eindrücklichen Melodien und Themen im „Allegro“ des KV 516-Quartetts spielen Spunicunifait in chorischer Unisono-Stimmführung und arbeiten sich dann auch mühelos durch schnelle, zugleich dramatisch und tanzbar wirkende Läufe.

Die „Menuetto“-Sätze, in allen sechs Quintetten die dritten Sätze, machen aufrechte und zum Tanz bereite Körperhaltung der Musiker*innen für mich richtig hörbar und damit auch fast sichtbar, was mir den Eindruck von festlichem Durchschreiten der Musik vermittelt. Die Musiker*innen von Spunicunifait geben sich Zeit, lassen Melodien versacken und verhallen, pausieren kurz vor einem Neuaufbau. Dadurch wirken Verzierungen sehr bewusst in Szene gesetzt und platziert. Die generell auf diesem Album sehr prominenten Atemgeräusche der Spielenden wirken an diesen Stellen manchmal noch etwas vordergründiger, gehören aber letztlich ja zum Vortrag bei dieser Art Besetzung.
Die größte Stärke von Spunicunifait beim Spielen von Mozarts Streichquintetten sind für mich aber tatsächlich die langsamen Sätze. Die Themenverläufe im „Andante“ des KV 406 werden so erzählend und fühlend musiziert, dass ich mitsummen möchte. Auch das „Adagio“ in KV 593 hat es mir sehr angetan – so filigran und zerbrechlich führt Spunicunifait diesen Satz auf. Leichtstrichig und dynamisch tief stellen die Streicher die, im Unterschied zu einem Quartett, zusätzliche Mittelstimme und die dadurch entstehenden Möglichkeiten dar. Gut hörbar ist das auch im „Adagio“ des ersten Quartetts KV 174, wenn Violine und Viola wechselseitig in Führungsstimmen gehen, was Spunicunifait mit meisterhafter Raumaufteilung ausführt. Auch hier gibt es wieder erfreulich viel Platz zum Hineinhören in Mozarts Stimmen‑ und Melodienwelt, in die man sich von diesem Ensemble richtig entführen lassen kann.
Man hört dieser Gesamteinspielung von Mozarts Streichquintetten die viele Arbeit deutlich an, die die Musiker*innen von Spunicunifait hier investiert haben, und sie hat zum einen exemplarische Bedeutung unter den Einspielungen dieser Werksammlung, und zum anderen lädt sie uns ein, zu einer bisher nicht ganz so häufig gespielten Gattung zu finden und sie kennenzulernen.
Titelfoto © Dominic Colchester


