Einfach Klassik.

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Cello & Mallets CD Cover

Cello & Mallets: Friederike Fechner und Matthias Suter öffnen Klangräume

Cello und Marimba/Vibraphon als Duo? Kann man machen, aber was spielen? Originäre Werke gibt es für die Besetzung kaum. Davon lassen sich die Cellistin Friederike Fechner und der Schlagzeuger Matthias Suter jedoch nicht abhalten und arrangieren ihr Programm kurzerhand selbst. Kurzerhand? Man sollte nicht vergessen, dass das Umsetzen bestehender Musikstücke in andere Bearbeitungen einigen Aufwand bedeutet. Zumal das keine lineare Arbeit ist, die erledigt werden muss, es gibt unzählige verschiedene Wege und man braucht ein Konzept. Das haben sich die beiden gegeben und es steht auf mehreren Pfeilern. Zum einen treffen sie mit Werken für Cello und Tasteninstrument oder Tasteninstrument solo eine kluge Vorauswahl, die sich umsetzen lässt. Weiterhin steht bei Fechner und Suter das Konzert im Mittelpunkt, auch bei einer Aufnahme wollen sie konzertant wirken und das Programm als solches zusammenstellen und präsentieren. Und schließlich wollen sie auch noch die Charaktere ihrer Instrumente achten, aber auch im gemeinsamen Spiel zueinander bringen und damit kooperieren.

Das gemischte Programm der CD bietet viel Abwechslung, Sonaten von Michel Corrette (1707–1795) und Jean-Baptiste Barrière (1707–1747), Auszüge aus den Bachschen Cellosuiten, Gnossiennes von Eric Satie und Bachs Präludien und Fugen unter anderen.

Ein Programm zwischen Barock, Bach und Satie

Das wirkt erst mal wie viel Konsens für ein Konzertprogramm. Aber dadurch, dass die Stücke ja bearbeitet sind, wirken sie in anderen Sphären als die Originale.

Friederike Fechner
Friederike Fechner

Am augenfälligsten ist das in den Cellosuiten. Zusammen mit Matthias Suter am Vibraphon eröffnet Friederike Fechner am Cello im Prélude der Cellosuite No. 1 schon fast unverschämt große und harmonisch attraktive Räume, ein genialer Schachzug. Die Suiten sind eigentlich ein Muss für jede Cellistin und jeden Cellisten, sie wurden unzählige Male eingespielt. Aber zusammen mit ihrem Duopartner schafft Fechner nicht weniger als eine Dimensionserweiterung für das Werk, und wie im Booklettext der CD angedroht spielt auch hier der seinerzeit in den Jazz gewanderte Walking Bass eine Rolle. Dabei vermeiden die beiden angenehmerweise aber jegliche Plattitüden purer Verjazzung. Sie reizen nur, lassen Anklänge aus dem Nachbargrundstück herüberwehen. Und Suters Vibraphon ist dabei der perfekte Partner für das Cello. Es ist sein eigener Klangkosmos mit seiner sehr eigenen Formantstruktur und gibt dem Cello damit eine wunderbare Umgebung für viele Melodien. Manchmal umspielt das Schlaginstrument die Solomelodie wie eine Kletterpflanze und baut so ein kleines umliegendes Universum auf. Aber auch das Marimba kommt in den Cellosuiten zum Einsatz und wird dann eher zu einem sehr bachschen, kontrapunktischen Gegenpart. Da geht geniale Planung und Konzeption über in meisterhafte Umsetzung. Über Zweifel bei der Ausführung sind die beiden Ensemblemitglieder des Theater Vorpommern durchgehend erhaben.

Neue Klangräume in Bachs Cellosuiten

Den Trickreichtum in ihren Arrangements zeigen Fechner und Suter dann noch ausgeprägter in Saties Gnossiennes, der Schlagzeuger spannt rhythmische Netze und setzt das Cello dabei wieder in den Vordergrund. Hier zeigt sich aber auch, wie still das Duo spielen kann, wie viel dynamische Bandbreite es in die leisen Bereiche hinein hat. Friederike Fechner begeistert mich dabei mit Wandlungsfähigkeit, von fragilen, gedeckten Tönen hin zu vollem, fundamentreichem Celloklang variiert sie mitreißend.

In den Präludien und Fugen teilen sich die beiden Instrumente dann etwas klassischer auf und spielen mit Witz und Akzent durch die vielen Stimmverschränkungen.

Ein Duo mit Sinn für Arrangements und Klangfarben

„Cello & Mallets“ von Friederike Fechner und Matthias Suter hat mich sehr überrascht und begeistert. Nach zunächst verhaltener Hinwendung taten sich immer mehr unerwartete Räume und Überraschungsmomente auf, und das funktioniert am besten, wenn man, wie von den Musiker*innen intendiert, die Aufnahme im Ganzen hört. Das möchte ich allen Klassikhörenden sehr empfehlen!

Das Album

Icon Autor lg
Stefan Pillhofer ist gelernter Toningenieur und hat viel Zeit seines Lebens in Tonstudios verbracht. Er hat viel Hörerfahrung mit klassischer und Neuer Musik gesammelt und liebt es genau hinzuhören. In den letzten Jahren hat sich die Neue und zeitgenössische Musik zu einem seiner Schwerpunkte entwickelt und er ist stets auf der Suche nach neuen Komponist*innen und Werken. Stefan betreibt das Online-Magazin Orchestergraben, in dem er in gemischten Themen über klassische Musik schreibt. Darüberhinaus ist er auch als Konzertrezensent für Bachtrack tätig.
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