César Franck – Späte Würdigung eines Musikgenies – Ein CD-Review von Kai Germann

César Franck

Wohl selten hat eine Sinfonie bei ihrer Uraufführung soviel Ärgernis und Unverständnis hervorgerufen wie César Francks Sinfonie in d-moll. Das in Teilen sehr religiös auftretende Werk war 1889 eine Innovation und sprengte bis dahin gängige Normen. Zu breitschultrig, zu dick aufgetragen und zu wenig „französisch“, so urteilten damals Kritiker und andere Zeitgenossen. Die Anfeindungen hatten jedoch auch einen anderen Hintergrund. Franck war kein französischer Staatsbürger, sondern stammte aus der Wallonie. Ein Umstand, der seine berufliche Karriere maßgeblich beeinträchtigen sollte. Selbst bekannte Kollegen wie etwa Debussy oder Saint-Saens verwarfen seinen Stil als eher unwesentlich und nicht von Bestand. Sie sollten sich alle irren.

Gustavo Gimeno und das Orchestre Philharmonique du Luxembourg präsentieren mit ihrer neuen Einspielung der Sinfonie in d-Moll einen dramatischen und hochkonzentrierten Franck. Die häufigen und schwierig umzusetzenden Tempowechsel sind dem Ensemble exzellent gelungen. Der assoziative Charakter der Aufnahme lässt der Fantasie des Hörers freien Lauf. Das schwermütige Lento geht in ein prozessionsartiges allegro im mittleren Teil über, diverse Scherzo- Passagen lassen eine leichte Heiterkeit erkennen, ohne dabei die Wirkung zu verfremden.

Ebenfalls aus Francks späterer Schaffensperiode entstammen die sinfonischen Variationen für Klavier und Orchester. Und dieses Werk ist das eigentliche Highlight der CD. Mit Denis Kozhukhin am Piano gehen die einzelnen Sätze nahtlos ineinander über. Sein Anschlag ist fesselnd und voller Poesie, fast träumerisch aber niemals trivial. Das Orchestre Philharmonique du Luxembourg glänzt mit fein nuanciertem Spiel, dominiert aber zu keiner Zeit die Aufnahme.
Nach der doch recht fordernden Sinfonie in d-Moll bilden die Variationen den versöhnenden Abschluss eines bemerkenswerten Projekts.

Die eigentliche Entdeckung bei dieser Einspielung ist jedoch der Pianist Denis Kozhukhin. Sein faszinierendes Spiel lässt die sinfonischen Variationen in neuem Glanz erstrahlen. 1986 im russischen Nischni Nowgorod als Spross einer Musikerfamilie geboren, begann er bereits im Alter von fünf Jahren eine Klavierausbildung. Selbst Daniel Barenboim gehört zu seinen vielen Mentoren. Denis Kozhukhin konzertiert regelmäßig mit den bekanntesten Orchestern der Welt. Die hier vorliegende Aufnahme stellt erneut sein einmaliges Talent unter Beweis.

Leider konnte César Franck seinen späten Erfolg nicht mehr genießen. Er starb 1890, ohne jemals die Würdigung seines musikalischen Schaffens erfahren zu haben. Seine Schüler liebten und verehrten ihn zwar, doch gesellschaftlich war er nie anerkannt. Die Lobhudeleien nach seinem Tod hinterließen daher einen absonderlichen Beigeschmack und wirken selbst heute noch eher befremdlich.

César Franck
Gustavo Gimeno, Foto: Marco Borggreve

 

Die Klangqualität der bei Pentatone erschienenen CD ist über jeden Zweifel erhaben. Das Digipack kommt mit einem umfangreichen Booklet daher und bietet eine Fülle von Hintergrundinformationen über alle an der Aufnahme beteiligten Künstler inklusive der musikalischen Vita des Komponisten.

Dem zu Lebzeiten viel geschmähten César Franck wird mit dieser Veröffentlichung ein verdientes Denkmal gesetzt. Meine Empfehlung: 54 Minuten Zeit nehmen und unbedingt anhören!

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