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Einfach Klassik.

Einfach Klassik.

Die Christian Benning Percussion Group in der Elbphilharmonie

Der eloquente und sehr höfliche Bandleader und Moderator für den Abend Christian Benning freute sich sehr, mit seinem Ensemble mal wieder in der Elbphilharmonie spielen zu dürfen, und war auch sichtlich froh, dass so viele Besucher*innen zu einem Schlagzeugkonzert kommen, und auch bleiben. Wer schon öfter klassische und andere Percussionmusik gehört hat erkennt schnell, dass diese Aussage blanke Tiefstapelei ist. Gibt es dort doch eine immer wieder erstaunliche Bandbreite an Klängen, Kompositionen und Besetzungen. Diesen Abend stellte die Christian Benning Percussion Group unter das Motto des 100. Geburtstages von Iannis Xenakis. Zu Ehren des Komponisten, der sehr viel für die Percussionmusik getan und geschrieben hat, kamen gleich drei seiner Werke zur Aufführung. 

Das Publikum gefangen

Zu Beginn “Rebonds B”, ein Solo, und mittlerweile ein Klassiker, den Christian Benning gerne bei Konzerten spielt. Schon wegen seines großen Dynamikumfangs eignet sich das Stück sehr gut als Eröffnung, den Benning geschickt nutzte um das Publikum einzufangen, und mit der von ihm spannend gestalteten Dramaturgie zu fesseln. Auffallend hier war der Zeitversatz, den das von einer Überkopfkamera eingefangene, und an die hintere Bühnenwand projizierte Video hatte. Dies war vermutlich technisch bedingt, irritierte mich aber dennoch beim Beobachten von Percussion und Schlagwerk.

Christian Benning, Patrick Stapleton
Christian Benning, Patrick Stapleton

Als weiteres Werk von Xenakis spielte die Christian Benning Percussion Group vor der Pause das Sextett “Pléïades”, bei dem die sechs Musiker den Sternhaufen bilden. Das zeitlich großformatigere Werk ist für die Ausführenden äusserst anspruchsvoll, allein durch die technische Schwierigkeit der einzelnen Stimmen. Die nicht komplett festgelegte Notation ist da im Zusammenspiel eine weitere Herausforderung. Anstatt sich aber die Anstrengung anmerken zu lassen, zogen die Musiker durch ihr impulshaftes Spiel an Marimba und Vibraphon, und durch die Konzentration sowohl auf die Entwicklungen der einzelnen Stimmen als auch auf die gemeinsamen Treffpunkte die Aufmerksamkeit aller Konzertbesucher*innen auf sich. Durch den Bühnenaufbau erzeugte das Ensemble Weite, und setzte auch räumlich Ereignispunkte. Da fiel zunächst Patrick Stapleton auf, der sich von rechts mit einer hohen Stimme Gehör verschaffte. Später folgte eine ruhigere Zäsur, die allein aus der Mitte gespielt wurde, bevor dann wieder die ostinatoähnlichen Stimmen aller Percussionisten einsetzten. Der Abschluss dieses ersten Teils des Werkes gelang unter den Umständen der Notation sehr einig und gemeinsam. Dann wechselte das Ensemble zu den großen Trommeln weiter hinten auf der Bühne, und da wurde es dann richtig laut. Dort entstand zeitweise eine Energie, die schon fast an Taiko Drums erinnerte, und die sechs Musiker genossen sichtlich die Möglichkeit, diese Art von kraftvoller, auf vielen synchronen Schlägen aufgebauter Schlagzeugmusik vorzuführen, die über einem ruhigen Grundbeat verschiedene Patterns verschiebt. Ein tiefer, bedrohlich ausgeführter Wirbel auf einigen Pauken und Basstrommeln führte dann zum Abschluss dieses beeindruckenden Stückes, und das Publikum honorierte das Spiel, wie fast durchgehend an diesem Abend mit frenetischem Applaus, Pfiffen und Rufen.

Das dritte Xenakis-Werk “Okho” spielten dann Christian Benning, Marcel Kentaro Morikawa und Felix Kolb mit kleinerem Trommel-Setup. Die Djembe war zentrales Instrument, die mit Händen und Sticks gespielt wurde. Im engen Kontakt zueinander gaben sich die drei Trommler die musikalischen Themen reihum, und übernahmen einer nach dem anderen die Führungsstimme oder stark betonte Elemente. Mit wacher Abstimmung aufeinander gestalteten sie so einen spannenden Vortrag des Stückes.

Neben den genannten wurden aber auch Stücke anderer Komponisten an diesem Abend gespielt. Aufgrund einer kurzfristigen Programmumstellung nahm das Ensemble Maurice Ravels “Alborada del Gracioso: Duo” mit in den Vortrag, das Benning und Stapleton auf zwei Marimbas spielten. Mit Kunstfertigkeit und beeindruckender Feinmotorik betonten sie die Schönheit der Musik, indem sie unter Ausnutzen fast des kompletten Tonumfanges ihrer Instrumente sich die Melodiebälle hin und her spielten und diese gut betonten.

Christian Benning Percussion Group begeistert

Nicht ohne Freude erzählte Christian Benning in einer seiner sehr informativen, und geschickt die Umbaupausen überbrückenden Einführungen, dass das Ensemble bereits die Möglichkeit hatte mit dem Komponisten Steve Reich zusammen zu arbeiten. Auch deshalb spielten sie sein “Mallet Quartet”, bei dem Benning und Stapleton die Grundbewegung, den “Motor” an den Marimbas spielten während Morikawa und Kolb die Führungsstimmen auf den Vibraphonen vorne ausführten. Durch ihr einfühlsames und hochpräzises Spiel demonstrierten die vier, wie passend Reichs Stil für Percussion ist, und wie gut die Mischung von tonalen und geräuschhaften Anteilen bei dieser Musik funktioniert. 

Christian Benning Percussion Group
Christian Benning Percussion Group

Ein ganz spezielles Highlight des Abends war “Musique de Table” von Thierry De Mey. Dabei saßen alle sechs Musiker nebeneinander an einem langen Tisch, und spielten nur mit Fingern und Händen auf extra dafür vorbereiteten Platten. Sehr musikalisch setzte das Ensemble dabei die einzelnen Stimmen zusammen, und behielt immer perfekte Abstimmung, auch wenn der rhythmische Puls nicht hörbar gespielt wurde, und die geforderten Spieltechniken aus Klopfen, Streichen, Klatschen und Kombinationen daraus viel Konzentration erforderte. Das alles ergab eine fesselnde Inszenierung des Stückes, und das Publikum honorierte auch hier ausgelassen.

Mit ihrem Xenakis-Programm hat die Christian Benning Percussion Group einen langen, abwechslungsreichen und sehr beeindruckenden Schlagzeugabend gestaltet, und ich kann nur dazu raten, der Einladung des Bandleaders zu folgen, und ein weiteres Konzert des Ensembles in der Zukunft zu besuchen.

Veranstaltung

Mo, 9.5.2022 19:30 Uhr
Elbphilharmonie Kleiner Saal

Besetzung

Christian Benning Percussion Group

Christian Felix Benning
Jan Cibej
Felix Kolb
Marcel Morikawa
Godwin Schmidt
Patrick Stapleton

Programm

Iannis Xenakis – Rebonds B
Thierry De Mey – Musique De Table
Maurice Ravel – Alborada del Gracioso: Duo
Ian’s Xenakis – Pléïades
— Pause —
J. S. Bach: Präludium in c-Moll
Steve Reich – Mallet Quartet
Iannis Xenakis – Okho
Ludwig van Beethoven – Mondscheinsonate op. 27 Nr. 2

Icon Autor lg
Stefan Pillhofer ist gelernter Toningenieur und hat viel Zeit seines Lebens in Tonstudios verbracht. Er hat viel Hörerfahrung mit klassischer und Neuer Musik gesammelt und liebt es genau hinzuhören. In den letzten Jahren hat sich die Neue und zeitgenössische Musik zu einem seiner Schwerpunkte entwickelt und er ist stets auf der Suche nach neuen Komponist*innen und Werken. Stefan betreibt den Orchestergraben-Blog, wo er in gemischten Themen über klassische Musik schreibt. Darüberhinaus ist er auch als Konzertrezensent für Bachtrack tätig.
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