Die Salzburger Festspiele 2020 – Ein Epilog

Von Kai Germann

Salzburger Festspiele 2020
Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, Foto: SF / Marco Borelli


Die Salzburger Festspiele 2020 sind zu Ende gegangen. Der letzte Vorhang ist gefallen, die Bühne wird abgebaut. Aber es waren keine Festspiele wie jedes Jahr. Für alle Beteiligten, sowohl Initiatoren als auch Publikum war dieses Jubiläum eine absolute Herausforderung. So mussten sich beispielsweise die Verantwortlichen mit Fragen herumschlagen, wie eigentlich ein Klavier desinfiziert werden kann oder wie hoch der Aerosol-Ausstoß bei einem Chor ist – sowohl bei den Proben als auch den Aufführungen. Die Corona-Pandemie hat ihre Schatten geworfen und klingt immer noch nach.

Rückblick

Sieht man sich in den Gassen der Salzburger Innenstadt um, so ist der erste Eindruck doch eher befremdlich. Einerseits gut besucht, doch andererseits auch seltsam ruhig. Wir schreiben Dienstag den 25. August so gegen 11.00 Uhr am Vormittag. Die sonst durch die Getreidegasse strömenden japanischen und amerikanischen Touristen sind nicht zu sehen. Die Hygieneregeln in den einzelnen Geschäften sind großzügig ausgelegt. Es gibt Shops, in denen der Eintritt nur einzeln und nur mit Maske erlaubt ist. Im angrenzenden Laden ist eher das Gegenteil der Fall. Maske oder Personenbegrenzung scheinbar nicht erforderlich, selbst die Verkäuferin trägt keine Mund-Nase-Bedeckung. So sorglos wie der „Jedermann“. Verwundert schauen wir uns um und gehen weiter Richtung Festspielhaus. Heute Abend singt Anna Netrebko große Oper.

Den „Jedermann“ gibt Tobias Moretti heuer letztmalig. Die Besetzung für 2021 steht noch nicht fest. Für die Abschlussveranstaltung beschert das Publikum dem Ensemble „standing ovation“. Nach der Premiere hieß es allerdings noch von einigen Kritikern, Moretti sei zu „cholerisch“ in der Rolle, die Buhlschaft Caroline Peters sei unpassend und das Publikum hätte nur verhalten applaudiert. Aber aufgrund der Corona-Regelungen war ja auch nur ein reduziertes Publikum tatsächlich anwesend was dann natürlich bei der TV- Übertragung so wirkte, als würde kaum jemand klatschen. Verrückte Welt.

Ausblick

Vom 02. – 21. August hat sich Igor Levit an sämtliche 32 Klaviersonaten von Beethoven live herangetraut – mit vollem Erfolg. Bereits 2018 hat er in Salzburg die Hammerklaviersonate des Bonner Komponisten vor Publikum präsentiert und im letzten Jahr konnte man Zeuge seiner Interpretation der Diabelli-Variationen werden. Somit wird Igor Levit, für den Beethoven „das Zentrum seines Musikerdaseins“ ist, mit Sicherheit nicht sein letztes Gastspiel in der Mozartstadt gegeben haben.

Andris Nelsons und die Wiener Philharmoniker brachten im Großen Festspielhaus Mahlers 6. Sinfonie mit den berühmten Hammerschlägen in einer atemberaubenden Interpretation zu Gehör. Der tragische Tenor dieses Werkes passt gut in die augenblickliche Zeit. Eine kühle Grundstimmung dominiert diese Sinfonie im Wechselbad der Gefühle.

Hugo von Hofmannsthal hat 1922 einmal gesagt: „Wo der Wille nur erwacht, dort ist schon fast etwas erreicht.“ Insofern war die Entscheidung richtig, die Salzburger Festspiele stattfinden zu lassen, wenn auch mit starken Einschränkungen bei der Programmgestaltung. Das Publikum jedenfalls war dafür mehr als dankbar.

Wünsche

Was zu guter Letzt bleibt, ist der Wunsch nach wiederkehrender Normalität für das Jahr 2021. Der Klassik-Betrieb hat unter der Corona-Pandemie gelitten wie kaum eine andere Kultur-Branche. Der Blick in die Zukunft ist eher ungewiss, aber auch mit großen Hoffnungen behaftet.

Vom 21. – 31. Januar 2021 wird hoffentlich wie geplant die Mozartwoche in Salzburg stattfinden. Intendant der Veranstaltung ist Startenor Rolando Villazón. Sir András Schiff wird sich die Ehre geben und auch die bekannte Pianistin Martha Argerich sowie das Freiburger Barockorchester werden den bekanntesten Sohn der Stadt musikalisch ehren.

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