Der Pianist Herbert Schuch war auch im Orchestergraben bereits mehrfach Thema, und für mich bot es sich an, sein Gastspiel im kleinen Saal der Elbphilharmonie zusammen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn (WKO) zu besuchen. Zentrales Werk des Abends war Mozarts Klavierkonzert Es-Dur KV 271 »Jeunehomme«, das als Meilenstein der Wiener Klassik gilt.
Herbert Schuch und Mozarts „Jeunehomme“
Mit vielen veröffentlichten CDs und unzähligen beachtenswerten Konzertauftritten ist Schuch eine bekannte Größe der Klavierwelt, und er hat bei Mozarts Konzert wieder eindrucksvoll gezeigt, warum das so ist. Eindrucksvoll schaffte er wieder diese Balance aus Präsenz, Leitung des gesamten Vortrages, aber auch absolut ensembledienlichem Spiel und gemeinsamem Musizieren. Er wirkte agil und entspannt zugleich, spielte mit großer Hingabe und viel Einfühlungsvermögen, mit gut balancierter Aufmerksamkeit zwischen Klaviatur und Zugewandtheit zum Orchester. Und diese Zwiesprache wurde auch oft hörbar, wenn Schuch Gestaltungsweisen des Orchesters bewusst aufgriff, Phrasierungen wiederholte oder sogar in Frage-Antwort-Situationen ging. Das zeigte seine große Lust zum Musizieren, die vom Orchester jedoch nicht in gleicher Intensität erwidert wurde.

Ich mag es sehr, wenn Herbert Schuch sich bei Soli der rechten Hand mit der linken anscheinend selbst ein wenig dirigiert, mit der freien Hand die Musik zu formen versucht. Da erlebte man unmittelbar, wie sehr er die Musik lebt und fühlt, ganz abgesehen von den technischen Herausforderungen, die der Pianist nicht nur meisterte, sondern die er in rasend schnellen, perlenden Melodien in kristallklaren Klang am Steinway-Flügel umsetzte. Die vom Orchester einige Male operettenhaft bereiteten musikalischen Szenen nahm der Solist gerne an und bettete sein Spiel gekonnt und passgenau in den Vortrag ein.
Klanggestaltung und musikalische Interaktion
Ein weiteres Detail, das bei mir Begeisterung erzeugte, war Schuchs Anschlagspiel, das er im Verlauf des gesamten Klavierkonzertes eindrucksvoll demonstrieren konnte. Wenn der Pianist das Instrument kennt, sich vielleicht lange genug vorher eingespielt hat, dann kann er in leisen Passagen die Anschläge so fein steuern, dass nicht nur Lautstärken variiert werden, sondern auch die Klangfarben, indem man die Töne bewusst in die Filze der Hämmer hineinspielt. Dann wird das Spiel besonders farbenfroh, und Herbert Schuch präsentierte das sogar in dieser Konzertsituation eindrucksvoll. An leisen Solostellen des Klaviers war das Publikum sozusagen auf der Stuhlkante vor Spannung. Seine Sensibilität für Klang und musikalische Geschichten, die im Stück erzählt werden, ermöglichen diese atemberaubenden und mitreißenden Vorträge.
Das Orchester bot sich immer wieder für Kooperationen mit dem Solisten an, gerade die Violinen gingen oft in Zwiesprache mit dem Klavier. Aber auch innerhalb des Ensembles gab es Synergien, die Celli und Bässe bildeten oftmals eine starke Achse.
Haydns „Abschiedssinfonie“ und das Orchester
Im zweiten Teil des Konzerts gab das Orchester dann unter anderem noch Joseph Haydns Sinfonie fis-Moll Hob. I:45 »Abschiedssinfonie«, in der die Streicher die oftmals technisch fordernden Melodien gut umsetzten und das gesamte Ensemble einige Stellen, wie den Beginn des dritten Satzes, sehr beschwingt gestalteten. Allerdings wirkten die Geigen nicht nur in der Haydn-Sinfonie oft nicht geeint im Spiel und ließen in Tongestaltung und Phrasierung bei mir viele Wünsche nach mehr Intensität und Gestaltungsstärke offen. Trotz ihrer sichtlichen Bemühungen um Einordnung im Klangkörper wirkten die Hörner streckenweise nicht gut eingebettet, und die gemeinsame Steuerung der Intensitätsverläufe über die Instrumentengruppen hinweg blieb oftmals blass. Da klappten die lauteren Tutti-Passagen noch am besten, aber insgesamt sprang der Funke nicht zu mir über. Und ich erwischte mich dabei, wie ich mir den von mir erhofften Vortrag der Haydn-Sinfonie während des Spiels des Orchesters in meinem inneren Ohr vorstellte, was mir in Konzerten extrem selten passiert.
Zusammen mit dem Pianisten Herbert Schuch gelang aber doch ein insgesamt erfreulicher Konzertabend.


