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Einfach Klassik.

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Interview mit dem Duo „Les Connivences Sonores“

Die Flötistin Odile Renault und die Harfenistin Élodie Reibaud demonstrieren auf ihrem neuen Album für das ARS-Label als „Les Connivences Sonores“ die ganze Ausdruckspalette dieser zwei Instrumente. Im Gespräch zeigten sich die beiden französischen Musikerinnen als fleißige und neugierige Entdeckerinnen von Repertoire, das bislang unentdeckt vor sich hin schlummerte. Deren Komponisten, vor allem aus dem 20. Jahrhundert teilen das künstlerische Anliegen dieser französischen Interpretinnen – nämlich zu beweisen, dass diese Instrumente viel mehr als nur dekorativen Schönklang können.

Erzählen Sie mir über die Geschichte dieses Projekts!

Wir sind beide sehr neugierige Musikerinnen und arbeiten seit acht Jahren zusammen. Musikalisch funken wir auf derselben Wellenlänge. Wir beide lieben es, neue Musikstücke im Repertoire zu entdecken. Das Repertoire für Flöte und Harfe ist überraschend weitläufig und wird zugleich selten öffentlich aufgeführt.

Können Sie Ihr künstlerisches Anliegen genauer beschreiben?

Wir wollen vor allem zeigen, dass Flöte und Harfe zusammen viel mehr können, als etwa nur kleine, hübsche Salon-Stückchen zu musizieren. Wir möchten stattdessen alle Ausdrucksmöglichkeiten erfahrbar machen.

Es freut mich, dass Sie das hier sagen. Denn das waren meine ersten Gedanken, als ich gestern Ihre CD rezensiert habe. Alles strahlt ein hohes künstlerisches Selbstbewusstsein aus.

Das ist unser Ziel. Wir freuen uns, dass unser Anliegen verstanden wird. Wir möchten auch in Zukunft mit so etwas weitermachen. Denn da ist noch so viel unentdecktes Repertoire, das wir hörbar machen möchten.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass das ganze Spezial-Repertoire für Flöte und Harfe so einen Exotenstatus im Konzertleben fristet?

Verglichen etwa mit einem Streichquartett haben viele Menschen die Besetzung Flöte plus Harfe nicht auf dem Schirm. Vieles Repertoire, vor allem die zahlreichen modernen Stücke seit dem 20. Jahrhundert, verlangt auch vom Hörer viel Aufmerksamkeit. Wir haben uns sehr viel Zeit genommen, um die Werke einzustudieren und uns wirklich daran abgearbeitet, um hier einen konsistenten Zusammenklang zu finden. Das ist nicht vom Himmel gefallen. Aber es erweist sich immer wieder als glücklicher Umstand, dass wir beide uns gefunden haben immer wieder neue Musik finden.

Wie gehen Sie bei der Suche vor?

Es ist oft nicht einfach, an seltene Partituren heran zu kommen. Viele Kompositionen schlummern ja unveröffentlicht vor sich hin. Die Arabesken von Amy Maayani auf unserer neuen CD sind ein Beispiel für die typische Detektivarbeit. Obwohl es in Paris sehr gute Musikalien-Geschäfte gibt, sucht man ein solches Stück hier vergeblich. Die ersten Hinweise kommen aus Katalogen. Gute Musiklexika helfen uns ebenso weiter. Ebenso sind die meisten Komponisten-Websites ein guter Ausgangspunkt. Im Falle von Maayani haben wir Maayani sogar persönlich kontaktiert.Im Idealfall senden die Komponisten die Noten als PDF. Maayani war sehr erfreut und sagte, dass er unbedingt unsere neue Aufnahme hören möchte. Leider ist er unterdessen verstorben. Abgesehen davon gibt es immer noch diese Glücksfälle, wo wir vielleicht stundenlang im Musikaliengeschäft gestöbert haben und plötzlich eine aufregende Entdeckung machen. Das sind übrigens oft Einzelstücke, die schon lange als Ladenhüter herumgelegen haben, weil sie bislang niemand beachtet hat.

Ich denke gerade an die Zeiten früher, wo ich ganze Nachmittage in Plattenläden verbracht habe und dann irgendwann in freudiger Erregung etwas mit nach Hause nahm. Wie fühlt sich das für Sie an?

Es ist eine Mischung aus Glücksgefühl und Aufregung. Das stellt sich manchmal schon ein, wenn wir nur einen Hinweis auf einen neuen Titel gefunden haben und die Partitur noch gar nicht vorhanden ist. Von dem Moment an brennt die Neugier.

Der Spannungsbogen auf der CD wirkt sehr geschlossen. So als bildeten die Stücke alle eine einheitliche musikalische Erzählung. War das der Plan?

Wir waren auf der Suche nach einer verbindenden Logik in der Stilvielfalt bei den Werken. Das Bewusstsein dafür entwickelt sich mit der Zeit, während wir an den Stücken arbeiten. Die übergreifende Essenz besteht darin, viele Fenster ins 20. Jahrhundert zu öffnen und die verschiedenen musikalischen Möglichkeiten zu reflektieren. Es spricht uns sehr an, dass die Komponisten der ausgewählten Werke vor allem in die Zukunft blicken. Dieser Eindruck wird speziell durch den Charakter unserer Besetzung verstärkt.

Les Connivences Sonores
Les Connivences Sonores

Welcher Reiz liegt in der Besetzung?

Die Chance für Flöte und Harfe besteht darin, dass diese Kombination ja kaum mit irgendwelcher Tradition beladen ist wie etwa ein Streichquartett. Jemand der für Flöte und Harfe komponiert, ist komplett frei. Und wir möchten mit diesem Programm demonstrieren, wie vorbehaltlos Komponisten von dieser Freiheit Gebrauch machten – und eine Musik kreieren, die viel mehr kann, als nur hübsche Dekoration zu sein. Wir wollen erfahrbar machen, dass die Musik so wie das Leben ist.

Wie sind Sie mit dem ARS-Label in Kontakt getreten?

Unsere Produzentin kennt die Betreiber des Labels sehr gut. Übrigens ist Annette Schumacher ja auch Flötistin. Das war wohl ein Grund mehr, warum die Chemie hier ganz besonders stimmte. Manfred Schumacher ist ein hervorragender Tonmeister, vor allem, was die menschliche Seite bei der Arbeit betrifft. Die drei Aufnahmetage waren eine sehr angenehme Erfahrung für uns.

Welche Rückendeckung erfahren Sie durch das Bureau de Classique?

Das gibt uns eine sehr gute organisatorische Unterstützung, vor allem wenn es um Auftrittsmöglichkeiten geht. Die muss man erst einmal bekommen, wenn man in einer solchen „Nischen“-Besetzung unterwegs ist.

Wie empfinden Sie die Wirklichkeit im allgemeinen Konzertbetrieb in Frankreich?

Das ist eine große Frage – vermutlich läuft es wie überall: Die meiste Aufmerksamkeit dreht sich um große, bekannte Künstler. Majorlabels, aber auch viele Konzertveranstalter fürchten sich davor, Wagnisse einzugehen. Dabei machen wir im Gespräch mit unserem Konzertpublikum immer wieder eine Erfahrung: Die meisten Menschen, die zu uns kommen, sind sehr neugierig auf Unbekanntes.
Wir lieben in unseren Konzerten das Gespräch mit dem Publikum. Ein lebendiger Austausch ist doch das wichtigste bei einem Konzert.

Noch eine ganz andere Frage: Was ist die Bedeutung von „Les Connivences Sonores“, dem Namen, den Sie sich als Duo gegeben haben? Das Nachschlagen dieses Begriffes hat nicht wirklich zum Erfolg geführt.

Ich würde es als tiefe Übereinkunft übersetzen oder als klangvolle Übereinkunft. Vielleicht auch freundschaftliche Komplizenschaft, die hörbar wird.

Vielen Dank für dieses Interview!

Icon Autor lg
Musik und Schreiben sind immer schon ein Teil von mir gewesen. Cellospiel und eine gewisse Erfahrung in Jugendorchestern prägten – unter vielem anderen – meine Sozialisation. Auf die Dauer hat sich das Musik-Erleben quer durch alle Genres verselbständigt. Neugier treibt mich an – und der weite Horizont ist mir viel lieber als die engmaschige Spezialisierung, deswegen bin ich dem freien Journalismus verfallen. Mein Interessenspektrum: Interessante Menschen und ihre Geschichten „hinter“ der Musik. Kulturschaffende, die sich etwas trauen. Künstlerische Projekte, die über Tellerränder blicken. Labels, die sich für Repertoire-Neuentdeckungen stark machen. Mein Arbeitsideal: Dies alles fürs Publikum entdeckbar zu machen.
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