Der chinesisch-amerikanische Pianist Zhen Chen kam als äußerst begabtes Kind an das Central Conservatory of Music in Peking und hat anschließend die Manhattan School of Music in New York besucht. Er hat mehrere CDs veröffentlicht, ist vielfach ausgezeichnet und tritt in renommierten Konzertsälen auf. Seit 2017 ist er stimmberechtigtes Mitglied beim Grammy. Seine letzten beiden CDs widmen sich Mozarts Klavierkonzerten.
Zhen Chen, wie ist es dazu gekommen?
Tatsächlich begann dieses Projekt 2022. Ich spielte Nummer 15 und Nummer 21, zwei sehr sonnige, sehr helle – eben die wohl beliebtesten Mozart-Konzerte. Nachdem die erste CD 2024 veröffentlicht wurde, haben wir eine weitere Aufnahme gemacht. Da spielte ich die beiden von Mozart komponierten Werke in moll, also umfasst mein Mozart-Konzertprojekt jetzt zwei Alben mit insgesamt vier Klavierkonzerten. Mozart war für mich lange, gerade als ich jünger war, eine Persönlichkeit, die ich eigentlich gar nicht richtig verstand. Man lernt es einfach so: Man muss alles perfekt spielen, die Finger balancieren, diese Dinge eben. Jede einzelne Note wirklich rein und klar zu gestalten, verlangt extreme Technik vom Pianisten. Als ich älter wurde, habe ich gemerkt: Alles hat zwei Seiten, wie eine Münze eben. Selbst Mozart, dieser charmante, immer fröhliche Mensch, hatte eine gewisse dunkle Seite im Kopf. Ich habe diese beiden moll-Konzerte studiert und war richtig beeindruckt von Mozart. Er zeigt sich darin sehr dramatisch, fast schon opernhaft. Sie sind ganz anders als die Dur-Werke – fast wie Fantasien. Zum Beispiel das K491. Wenn ich es spiele, kann ich nicht aufhören, daran zu denken, wie in einer verlassenen Burg oder Halle Geister umherziehen. Sie sind schon seit Jahrhunderten tot, aber wissen es nicht. Sie hängen immer noch dort herum und haben Spaß. Die Musik wirkt düster und unheimlich, aber irgendwie auch sehr schön. Sie sind in ihrer Zeit gefangen, wissen nicht, dass sie schon lange tot sind, leben weiter ihr Leben. Das gibt mir ein Gefühl von schwarzem Humor.
Heißt das, dass Sie die beiden Klavierkonzerte in moll bevorzugen?
Ich bin total verliebt in diese beiden moll-Konzerte. Natürlich ist Nummer 20 besonders berühmt, das spielt jeder. Aber für mich zeigt sich darin schon eine frühromantische Stimmung bei Mozart. Es wirkt freier, wilder, fantasievoller – nicht wie klassische Musik im üblichen Sinne. Nach den zwei Dur-Konzerten finde ich, dass die beiden Mollwerke einfach dazugehören. Es ist, als müsste ich das machen – in einem Projekt, das Schwarz und Weiß, beide Seiten einer Münze zeigt. Normalerweise denkt man bei Musik in moll: Sie ist traurig, düster. Aber für mich ist das anders. Bei Beethoven ist tragisch wirklich tragisch, traurig ist traurig. Aber bei Mozart ist das Drama vielleicht gar nicht wirklich wahr – er trägt diese Dramatik in sich, aber letztlich bleibt alles halb so wild. Es fühlt sich an, als würde etwas Schlimmes passieren, aber am Ende kommt alles in Ordnung. Mozart ist nicht wie Beethoven, bei dem die Traurigkeit wirklich ernst gemeint ist. Bei Mozart ist die traurige Geschichte eigentlich nur Drama, nicht zu ernst – am Ende wird alles wieder gut. Das ist für mich schwarzer Humor: Man ist berührt, vielleicht sogar den Tränen nahe, und weiß, das ist traurig, aber wenn die Musik vorbei ist, ist wieder alles gut. Das macht Spaß beim Spielen.
Aber es geht nicht nur um Spaß, sondern auch um die Technik beim Spielen, welchen Anspruch haben Sie dabei?
Mozart wird unter Pianisten oft unterschätzt, weil viele denken, die Technik ist nicht so herausfordernd wie bei Rachmaninow, Tschaikowski, Prokofjew oder Schostakowitsch. Aber tatsächlich ist es eine ganz andere Art von Technik. Bei Mozart muss alles rein, ebenmäßig und organisch sein. Seine Musik ist für mich organisch, weil sie so einzigartig ist – wie ein Baum, der einfach aus dem Boden wächst. Man macht das nicht absichtlich; der Baum wächst einfach von selbst. Beim Spielen dieser fließenden Noten spielt man die erste Phrase, und die nächste kommt ganz natürlich. Man hat nie das Gefühl, Mozart hätte sich beim Komponieren besonders abmühen müssen. Es wirkt, als würde er mit jemand anderem sprechen und dessen Ideen in Musik verwandeln. Wenn man seine Musik spielt, gibt es kein Stocken. Die Musik fließt ganz von selbst – wie Wasser, wie Blumen, wie alles Organische auf dieser Welt. Das ist einfach magisch. Bei Beethoven spürt man oft den Komponisten, wie er sich abmüht, nachdenkt und kämpft. Aber bei Mozart ist es wie Wasser trinken – natürlich und sicher. Viele Pianisten sind mit großen Werken beschäftigt, die viel Repertoire erfordern, und bei Wettbewerben spielen sie grandios Rachmaninow, Prokofjew, Debussy oder Beethoven. Aber oft müssen sie auch zwei Konzerte spielen, eins von Mozart und eins von jemand anderem. Viele spielen Mozart im Vergleich nicht so richtig gut, weil sie ihn unterschätzen. Sie denken, es sind leicht laufende Klavierkonzerte, man muss nicht viel üben. Aber bei Mozart ist es so: Wenn man einen Fehler macht, merkt es selbst jemand, der das Stück nicht kennt. Es ist so klar und einfach zu verstehen, dass auch Laien Fehler gleich bemerken – weil die Musik so rein ist. Für mich ist Mozart zu üben daher besonders anspruchsvoll und tiefgründig, weil Fehler eigentlich nicht erlaubt sind. Wenn man Rachmaninow oder Tschaikowski spielt und versehentlich einen falschen Ton erwischt, verzeiht das jeder – die Harmonik ist so reich und die Struktur so gewaltig, niemand achtet auf einzelne Fehler. Aber bei Mozart geht das nicht. Das macht einen beim Spielen nervös, weil man weiß, Fehler sind unerlaubt – die Musik ist von sich aus schon so perfekt. Das ist das Gefühl, das ich beim Mozart-Spielen habe.

Sie haben die beiden CDs direkt im Rittersaal des Mannheimer Barockschlosses beim Konzert aufgenommen?
Mozart besuchte Mannheim viermal und verbrachte dort einige Zeit. Er wollte den Herzog beeindrucken und spielte, aber letztlich bekam er die Stelle nicht und zog nach Wien. Es ist für mich ein Privileg, mit dem Orchester dort zu spielen. Die Videoaufnahmen, die von der Vorstellung aufgenommen wurden und auch in der CD enthalten sind, wurden im Rittersaal gemacht. Die Audioaufnahmen für die CD fanden in der Epiphaniaskirche in Mannheim statt.
Sie haben die CD mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester Mannheim mit dem französischen Chefdirigenten Paul Meyer aufgenommen. Was ist besonders an dem Rittersaal?
Das Orchester tritt regelmäßig in diesem Schloss auf. Es ist toll, an dem Ort zu spielen, an dem Mozart wirklich gespielt hat. Für mich war das eine unglaubliche Erfahrung. In Amerika trete ich meist in Konzertsälen auf, auch in China. Aber in einem mehr als 200 Jahre alten Schloss zu spielen, das kenne ich sonst nicht. Im Konzertsaal ist der Klang klar und professionell ausgerichtet. Aber im Schloss, wo der König oder Herzog lebte, ist die Akustik ganz anders – alles ist aus Marmor. Am Klavier prallen die Töne überall zurück. Wenn ich einen Akkord spiele, höre ich ihn eine Sekunde später nochmal und bin verwirrt, wie viele Noten ich eigentlich gespielt habe! Das war wirklich schwierig. Wie soll ich da mein Spiel berechnen? Ich benutze kaum das Pedal, weil der Nachhall ohnehin schon so groß ist. Danach habe ich verstanden, warum man bei Mozart kein Pedal einsetzt – es gab das Pedal damals ja noch gar nicht. Viele sagen, ohne Pedal sei das zu trocken und langweilig. Nach dem Konzert im Schloss verstehe ich aber: Heute muss man etwas Pedal nehmen, denn ohne die natürliche Akustik klingt es in modernen Räumen zu trocken. Deshalb dosiere ich das jetzt bewusster. Zu Mozarts Zeit, in seinem Schloss, brauchte er kein Pedal – die Akustik war natürlich. Heute spielen wir in trockenen Räumen, deshalb darf ruhig etwas Pedal benutzt werden, aber nicht zu viel. Nach dieser Erfahrung benutze ich jetzt wirklich bewusst Pedal bei Mozart, weil ich weiß, wie es im Schloss klang. Das ist interessant. Die Form von Schlosskonzerten war damals ganz anders. Die Leute kamen zusammen, redeten und hörten Musik. Heute sitzen wir im großen Konzertsaal. Niemand bewegt sich – das ist wirklich anders.
Sie sind in China geboren und aufgewachsen und leben heute überwiegend in den USA. Wie und wann haben Sie mit dem Klavierspielen begonnen?
Mit vier Jahren. Meine Familie arbeitete im Krankenhaus – Ärzte, Krankenschwestern, meine Großmutter war Krankenschwester, mein Großvater Arzt, meine Mutter arbeitet in der Apotheke, mein Onkel ist Zahnarzt. Ich lebte in einer Krankenhausgemeinschaft – aber ich mochte es nicht, ich wollte es nicht. Meine Mutter dachte, ich sollte Medizin oder Jura studieren. Aber ich war als Kind zu laut, sprang und sang ständig herum. Also meinte meine Mutter, ich sollte ein Instrument bekommen, dann wäre ich ruhiger. Sie haben mir das Klavier besorgt, und so fing ich an. Niemand dachte, ich würde Musiker werden, denn in meiner Familie gab es keinen Musiker. Als ich ins Central Conservatory of Music in China kam – die beste Musikhochschule in China – war ich der Erste aus meinem Provinzgebiet. In dem Jahr wurden nur 16 Pianisten aus ganz China aufgenommen. Wir haben 32 Provinzen und Verwaltungsgebiete – also einer pro zwei Regionen. So kam ich rein, als Erster aus unserer Provinz. Die Lokalzeitung fragte meine Mutter, wie es kommt, dass alle aus der Familie im Krankenhaus arbeiten und ihr Sohn Musiker wird. Meine Mutter wusste es nicht – ich mochte es einfach und habe geübt. Der Journalist fragte, ob es Fotos von mir als Kind beim Üben gibt. Aber meine Mutter hatte keine, weil sie nie dachte, dass ich Musiker werden würde – sie nahm keine Bilder beim Klavierspielen von mir auf. Meine Großeltern waren überhaupt nicht einverstanden damit – sie wollten, dass ich einen richtigen Beruf finde, einen festen Lohn habe und anderen helfe. Sie dachten, Musik taugt nichts, ist nur Spaß. Vor 40 Jahren, als sie jung waren, war das vielleicht so in China. Aber jetzt ist es anders. Als meine Eltern mir das Klavier kaufen wollten, gab es keines in unserer Stadt. Sie mussten in die nächste größere Stadt fahren, um eines zu kaufen und es bringen zu lassen. Das Instrument war dazu teuer und die Stadt klein. Ich schätze es, dass sie mir diese Chance für meinen musikalischen Weg gegeben haben. Erst mit 14 habe ich wirklich verstanden, was ich tue, und mich in die Musik verliebt. Mit 13 habe ich für die Musikschule vorgesprochen, und mit 14 bin ich aufgenommen worden – und bin dann nie wieder gegangen. Nach dem Central Conservatory of Music in Beijing bin ich an die Manhattan School of Music in New York gegangen und habe fünf weitere Jahre studiert. Jetzt unterrichte ich dort. Ich war nie außerhalb der Musikhochschule– mache einfach weiter.
Der Wechsel von Beijing nach New York, war das ein großer Unterschied?
Ja, riesig. China und Amerika haben ganz unterschiedliche Bildungssysteme. In China wird viel ausgesiebt, du musst sehr gut sein, um in eine bestimmte Schule zu kommen. Wenn du einmal drin bist, kostet das fast nichts – vielleicht 1.000 Dollar jährlich. Es werden nur 16 Studenten aufgenommen, dabei ist die Bevölkerung so riesig! In Amerika am Manhattan School of Music ist Musik für alle – einige sind sehr gut, andere weniger, manche mit Stipendium, andere nicht. Es ist viel bunter. In China sagt dir der Lehrer, was du machen sollst – das hat den Vorteil, dass du weniger Fehler machst. In Amerika ist alles deine eigene Entscheidung; niemand stoppt dich. Du findest vielleicht deinen Weg und wirst erfolgreich, vielleicht liegst du ganz falsch und verschwendest Zeit – aber es ist deine Wahl. In Amerika lernt man nur Klavier, nichts anderes. In China ist der Lehrer wie ein Elternteil, der sich um alles kümmert. Das ist gut, weil jemand sich kümmert, aber schlecht, weil man nicht selbst denken muss. Es kommt auf die Persönlichkeit an. Wer einfach funktioniert, bleibt im System; wer wie ich eher der Neugierige ist, will Neues erleben. Im ersten Jahr in New York war ich hilflos, denn die Lehrer geben dir nur den Unterricht und sind dann weg. Alles Private, Karriere, Lebensplanung – das ist nicht ihre Aufgabe. Das war der große Unterschied. Die Musikauffassung ist auch anders: In Amerika fragt der Lehrer oft, was du über die Musik denkst; in China sagt dir der Lehrer, was du denken sollst. Im ersten Jahr war ich ziemlich verloren und dachte, ich mache meinen Abschluss und gehe zurück.
Was ist passiert, dass Sie in Amerika geblieben sind?
Ich traf eine Kammermusik-Lehrerin aus Deutschland, die seit 20 Jahren als Künstlerin auftritt. Sie machte nun Kammermusik und ich begann eine Ausbildung bei ihr und war sofort begeistert. Durch die Kammermusik lernte ich, wie man als Musiker mit anderen arbeitet, auf ihre Instrumente achtet – ganz anders als beim Solospiel. Ich machte neben meinem Solo-Studium noch einen Master und Diplom in Kammermusik – fünf Jahre bei ihr. Ich lernte enorm viel von tollen Musikerinnen und Musikern aus der ganzen Welt. Sie haben mir sehr geholfen, ein besserer Musiker zu werden. Ich bin dankbar für diese Chance, Kammermusik, gemeinsames Klavierspiel und Zusammenarbeit kennenzulernen.
Daneben komponieren Sie auch?
Ja, nach dem Abschluss an der Manhattan School of Music gab es plötzlich keine Kurse, keine Lehrer mehr. Vorher ist der Alltag voll – Proben, Seminare, Prüfungen. Von jetzt auf gleich ist alles vorbei und es bleibt nur noch man selbst. Da habe ich mich gefragt, ob ich nach China zurückkehren oder in New York als Musiker bleiben sollte. Es ist schwer, als Musiker einen festen Job zu finden. Meine Eltern machten mir Druck, doch lieber in China zu arbeiten. In den USA ist es sehr wettbewerbsintensiv und für Ausländer kommen Dinge wie Aufenthaltsgenehmigung hinzu. Ich bat meine Mutter um ein Jahr Zeit, um es herauszufinden. In diesem Jahr sind alle Freunde und Kollegen gegangen, weil ihr Studium vorüber war – und ich blieb allein mit meinem Klavier. Ich fühlte so viel, was ich ausdrücken wollte und begann zu komponieren. Damit fühlte ich mich besser. Und dann hatte ich Glück. Bei einer Privatparty spielte ich ein wenig und der Manager eines Labels fragte mich, was sind das für Stücke? Als ich ihm sagte, dass es meine Kompositionen seien, meinte er, ob ich sie nicht aufnehmen wolle. Ich hatte mich bis dahin nur als Pianist, nicht als Komponist gesehen. Aber ich hatte bereits zehn Stücke geschrieben und sie gefielen ihm alle. Er produziere das Album und es wurde das bestverkaufte in seinem Label. Auf Facebook und als YouTube Video bekam es über eine Million Klicks. Also fragte er nach weiteren Kompositionen. Eine Freundin von mir – Lin Ma – die an der Columbia Universität studiert hat, ist eine Pipaspielerin – das ist eine chinesische gezupfte Schalenhalslaute. In China ist sie häufig im Fernsehen zu sehen und als wir uns trafen, schlug sie vor, zusammen zu musizieren. Ich sagte, warum nicht, ich hatte ja schon das Angebot, aber noch keine Idee, was ich dafür komponieren könnte. Wir brainstormten ein Musikprojekt, das die Lebenserfahrung der neuen Generation chinesischer Immigranten in den USA zeigen sollte – so entstand die CD „On & Between“. Dafür fragten wir viele Freunde, auch Professoren und bekamen schließlich 11 Musiker zusammen. Ich komponierte zehn weitere Stücke, in denen ich zehn Geschichten erzählte. Auch dieses Album wurde sehr erfolgreich. Wir produzierten es 2018, wollten dann 2020 weitermachen, aber da war die Pandemie und alle mussten zu Hause bleiben. Also habe ich meinen Schwerpunkt auf Online-Unterricht gelegt. So bekam ich die Anfrage von meiner Musikhochschule, ob ich dort unterrichten möchte. Ich fühlte mich sehr geehrt.
Welchen Stellenwert hat der Unterricht jetzt für Sie?
Lehre und Lernen ergänzen sich und machen mich eloquenter und präziser, wenn ich musikalische Konzepte entwickele. Ich nehme das Lehren sehr ernst und unterrichte etwa 40 Stunden die Woche. Manchmal habe ich das Gefühl, das dies zu viel Zeit beansprucht, weil ich auch noch Zeit brauche, um Konzerte zu spielen und an meinen eigenen Projekten zu arbeiten. Meine Freunde sagen mir, dass ich zu jung sei, um auf die Konzerte zu verzichten. Ich möchte auch weiterhin viel Spielen, aber das Komponieren sehe ich eher als Luxus an. Dafür braucht man eine Menge Zeit, in der nichts passiert, man wartet einfach ab und denkt nach. Ich spiele immer, um die Finger in Übung zu halten. Aber meine Kompositionen habe ich etwas zur Seite gelegt und mich auf das Unterrichten und die Konzerte fokussiert. Vielleicht kehre ich später, wenn ich älter bin und mehr Lebenserfahrung habe zum Komponieren zurück. Mir ist es nicht wichtig zu zeigen, dass ich auch dies beherrsche. Ich empfinde Komponieren eher als eine Art Geschichtenerzählen mit der Technik, die mir vertraut ist, und das ist die Musik. Sie ist universell, egal aus welcher Kultur man stammt.
Wie sehen Ihre konkreten Pläne für die Zukunft aus?
Es sind schon einige Projekte geplant. Ich werde zwei Klavierkonzerte von Mendelssohn mit der Staatsphilharmonie Rheinlandpfalz in Ludwigshafen mit dem britisch- schweizerischen Dirigenten Howard Griffiths im Februar 2026 aufnehmen. Im April 26 werde ich mein Debüt in der Berliner Philharmonie mit den Berliner Symphonikern haben unter der Leitung von Vanessa Chartrand-Rodrigue mit dem Klavierkonzert in F-Dur von Gershwin. Im November des Jahres werde ich Beethovens Klavierkonzert Nummer 0 WoO4 mit der Beethoven Philharmonie in Wien spielen. Danach ist schon eine Mendelssohn-Klavierkonzerttournee durch verschiedene Städte Europas geplant. Damit bin ich sehr beschäftigt und so steht das Komponieren hinten an.
Haben Sie einen großen Traum?
Diese Frage ist mir noch nie gestellt worden! Ja, mein größter Traum wäre es, meine eigenen Stücke weltweit aufzuführen. Ich weiß, dass ist sehr kompliziert. Wenn ich ganz ehrlich bin, denke ich nicht, dass ich die Person bin die Mozart, Beethoven und Mendelssohn immer spielen wird Natürlich ist ihre Musik großartig, aber es ist nicht damit zu vergleichen, wenn ich meine eigene Musik aufführe und diese mit den Menschen auf der ganzen Welt teilen kann.
Zhen Chen, ich dankte Ihnen herzlich für dieses schöne und aufschlussreiche Gespräch.


