Das Ensemble SineQuaNon Berlin setzt sich zusammen aus Musikern vieler Nationen die bereits beachtliche Karrieren vorzuweisen haben. Die kreative Zusammenarbeit zwischen der EB-WK-Stiftung und der Associazione Espressione d’Arte APS ermöglich dem Ensemble den Aufbau verschiedener Konzertprogramme mit einem Repertoire von Originalwerken des späten 18. Jahrhunderts über die Klassik bis hin
zu Crossover-Projekten und Filmmusik. Die künstlerische Leitung haben dabei Beate Kesper und Pierluigi Ruggiero inne. Nun stehen zwei Konzerte im Konzerthaus Berlin an, bei denen zwei Verschiedene Programme präsentiert werden: „SAXestraordinary Emotions – mit Federico Mondelci“ am 3. Oktober und „Klangbilder von der Seine – mit Etsuko Hirose“ am 31. Oktober. Zu diesem Anlass konnte ich mit Pierluigi Ruggiero ein Interview führen.
Pierluigi Ruggiero, SineQuaNon Berlin versteht sich als Ensemble mit einer besonderen Verbindung von klassischer Tradition und zeitgenössischen Impulsen. Wie würden Sie die künstlerische Handschrift des Ensembles in wenigen Worten beschreiben?
Die Idee ist, in der Berliner und deutschen Musikszene ein Ensemble zu etablieren, das aus jungen, vielseitigen Musikern mit nachweislicher internationaler Erfahrung besteht. Darüber hinaus ist es unser Ziel, exzellente Künstler verschiedener Nationalitäten in einer ohnehin schon sehr internationalen Berliner Musiklandschaft zusammenzubringen. Kurz gesagt, es ist, als ob wir Energien und Begeisterung bündeln, um sie in unsere Konzertprogramme an den prestigeträchtigsten Orten der Stadt einfließen zu lassen.

Das Programm „SAXestraordinary Emotions“ verbindet das Saxophon mit Kammermusik. Welche besonderen Herausforderungen und Reize sehen Sie in dieser eher ungewöhnlichen Besetzung?
Obwohl das Saxophon stark mit der Jazz- und Blues-Tradition verbunden ist, verfügt es über ein bedeutendes klassisches und traditionelles Repertoire. Sein verführerischer und sehr anziehender Klang wird uns auf eine musikalische Reise führen, die alle klanglichen Möglichkeiten des Instruments und sein Ausdruckspotenzial erforscht. Das Streichquintett des Ensemble SineQuaNon Berlin wird dabei nicht nur eine Begleitrolle einnehmen, sondern ein gleichwertiger Protagonist dieser Klangreise sein. Unsere Herausforderung wird es sein, durch die Verbindung von Streichern mit dem „Fürsten der Blasinstrumente“ eine seltene Mischung von Emotionen zu schaffen.
Sie arbeiten mit Federico Mondelci, einem der bedeutendsten klassischen Saxophonisten. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Wir trafen uns vor rund zwanzig Jahren in Italien bei Konzerten in der Region Marken. Er ist einer der international führenden Vertreter seines Instruments und weltweit als einer der besten klassischen Saxophonisten anerkannt. Nach den ersten italienischen Kooperationen verloren wir uns einige Jahre lang aus den Augen, da jeder seinen eigenen Weg ging. In meiner Funktion als Musikalischer Direktor der Stiftung EBWK und Gründer des Ensemble SineQuaNon Berlin wollte ich diese künstlerische Partnerschaft eigens für die Konzerthaus Berlin wieder aufleben lassen.
Auf dem Programm stehen Werke von Pedro Iturralde und Duke Ellington – also ein faszinierender Bogen zwischen Klassik, Jazz und Crossover. Welche Atmosphäre möchten Sie mit dem Konzert am 3. Oktober im Konzerthaus schaffen?
Wir wollen dem Publikum ein breites Spektrum an Klängen und Emotionen vermitteln, die sowohl mit klassischem Repertoire als auch darüber hinaus verbunden sind. Das Saxophon eignet sich besonders für dieses Spiel mit Klangfarben, und der Unterschied wird durch das Streichquintett gemacht, das den magischen Klangteppich schaffen muss, auf dem alle Anwesenden im Konzerthaus „fliegen“ können.

Am 31. Oktober präsentieren Sie „Klangbilder von der Seine“ mit der Pianistin Krisztina Fejes. Was verbindet Sie und das Ensemble mit französischer Musik des 19. Jahrhunderts?
Ich persönlich fühle mich der französischen Musik des 19. Jahrhunderts sehr verbunden, da ich den Impressionismus liebe und glaube, dass Komponisten wie Ravel, Satie und Debussy die musikalische Ausdruckssprache revolutioniert haben. 1996 gewann ich meinen ersten internationalen Musikwettbewerb nahe Turin – mit Debussys Sonate. Ich wollte mich von Anfang an mit einem komplexen und bedeutenden Repertoire auseinandersetzen, da das Ensemble SineQuaNon Berlin über die Fähigkeiten und instrumentalen Kompetenzen verfügt, um diesen Meisterwerken seine eigene Stimme zu verleihen.
César Franck und Ernest Chausson sind in Kammermusikprogrammen eher selten zu hören. Warum haben Sie gerade diese beiden Komponisten gewählt?
Ein Ziel des Ensemble SineQuaNon Berlin ist es, Perlen der Kammermusik auf die Bühne zu bringen, die selten gespielt werden, aber von absolutem Wert und als Meisterwerke der Menschheit anerkannt sind. Für uns gibt es keine Grenzen in musikalischen Herausforderungen, und wir möchten, dass genau dies zum Markenzeichen des Ensembles wird – musikalisch wie qualitativ.
Viele Ihrer Programme sind von starken thematischen Ideen geprägt. Wie entstehen diese Konzertkonzepte im Ensemble?
Als Musikalischer Direktor der Stiftung und des Ensembles verfolge ich eine künstlerische Linie, die ich jedoch stets zuerst meinen Musikerkollegen vorstelle, mit denen ich mich täglich austausche. Anschließend wird sie von der Präsidentin der Stiftung geprüft und genehmigt, die in unsere Ideen investiert.

Ein wichtiger Teil von SineQuaNon Berlin sind auch Auftragswerke und Uraufführungen. Inwiefern spielen neue Kompositionen für die Identität des Ensembles eine Rolle?
Ein künstlerisches Ensemble zeichnet sich auch dadurch aus, dass es von jungen wie auch etablierten Komponisten im internationalen Kontext als Referenzpunkt wahrgenommen wird. Das stärkt unsere Position im europäischen Musikleben und erlaubt uns, die Weiterentwicklung der musikalischen Sprache aktiv mitzugestalten. Kurz gesagt: Wir sind eine Realität in ständiger Suche, die Impulse sowohl für das Publikum als auch für die Komponisten geben will.
Sie vereinen Musiker aus verschiedenen Ländern mit jeweils eigener künstlerischer Prägung. Wie wirkt sich diese internationale Vielfalt auf die gemeinsame Arbeit aus?
Aus künstlerischer Überzeugung habe ich von Anfang an vorgeschlagen, dass das Ensemble SineQuaNon Berlin ein Mosaik, ein Kaleidoskop von Musikern aus verschiedenen Ländern sein sollte, die mit Berliner oder deutschen Künstlern zusammenarbeiten. Das bedeutet nichts anderes als Reichtum, unendliche technische und expressive Möglichkeiten. Musik ist eine universelle Sprache – und ihre Umsetzung ist das Ergebnis von Studium, Akademie, Disziplin und Kultur. Die Synthese all dieses Reichtums geschieht während der Produktionsphasen in Berlin, im gemeinsamen Austausch mit allen Musikern. Das Endergebnis ist ein wunderbares Beispiel menschlichen Zusammenlebens. Deshalb kann Musik ein Vorbild und eine Orientierung für viele Probleme unserer Welt sein.

Sie treten in diesem Jahr mehrfach im Konzerthaus Berlin auf. Was bedeutet Ihnen dieser Konzertort persönlich?
Es ist einer der Tempel der klassischen Musik weltweit – und nicht nur der klassischen. Eine ideale Akustik für unseren künstlerischen Ausdruck. Ein echtes Privileg für jeden Musiker, die Bühne des Konzerthaus Berlin zu betreten.
Zum Schluss: Wenn das Publikum nach den beiden Oktoberkonzerten nach Hause geht – welche Eindrücke oder Emotionen möchten Sie ihm mitgeben?
Rausch, Begeisterung, Liebe zum Schönen – und viel Lust, wiederzukommen, um mit uns ein paar Stunden voller Orte, Farben, Bilder und Klänge zu erleben, die einen mit Staunen berauschen, bevor man in den Alltag zurückkehrt, der all das oft nicht bietet. Und wenn diese emotionale und sinnliche Reise in Begleitung oder in einer Gruppe erlebt wird, umso besser – es ist schön, das zu teilen.
Pierluigi Ruggiero, vielen Dank für dieses Interview!
Titelfoto © Katharina Zwettler


