Witzige Idee: Wir nehmen drei Orchesterwerke auf ein Album, und im ersten spielen nur die Bläser, im zweiten nur die Streicher, und im dritten spielen dann alle. – Oh ja, das machen wir! Das haben sich wohl der Dirigent, Klarinettist und Komponist Jörg Widmann und das Irish Chamber Orchestra gedacht. Tatsächlich steckt aber noch mehr hinter dieser Idee, denn das bekannte Kammerorchester ist sowohl für die Klasse seiner Streicher und auch seiner Bläser bekannt. Da liegt es nahe, dies in passenden Werken deutlicher zu zeigen. Und keiner kann solche Entscheidungen wohl besser einschätzen als Widmann, hat er doch das ICO über zehn Jahre hinweg geleitet. Aus dieser Zeit stammt die gemeinsame Hinwendung zur „Serenade in C Dur, K. 388/384a“ von W.A. Mozart, zur Streichersinfonie No. 8 in D Dur, MWV N 8“ von Felix Mendelssohn und zu „Overture, Scherzo und Finale, Op. 52“ von Robert Schumann. Und tatsächlich stammen die Aufnahmen auch aus drei unterschiedlichen Produktionen, die über mehrere Jahre entstanden sind.
Mozarts Serenade unter Jörg Widmann mit dem Irish Chamber Orchestra
Bei der Serenade leitet Widmann nicht nur das Ensemble er spielt auch die Klarinette selbst, alles andere hätte mich auch überrascht. Zu verlockend ist es wohl für den hoch angesehenen Künstler mit seinem früheren Ensemble zu musizieren. Und das klappt für mich auch sehr gut. Mit sehr rundem Ton bettet er sich sowohl gut in die Gruppe ein und kann ein perfekter Ensemblespieler sein, um dann aber an der passenden Stelle in den Vordergrund zu gehen. Bei allen Musiker*innen fällt mir vor allem die hochwertige, bedachte Tongestaltung auf. Gerade die Oboen stechen hier heraus, Daniel Bates und Matthew Draper können Töne sehr weich anspielen, dann aber über eine richtige Topographie führen und Plastizität verleihen. Die Hörner springen währenddessen in den schnellen Läufen erstaunlich fröhlich und fast kunstvoll-grazil umher. Und alles wird fein konstruiert, mit akkuraten Akzenten gespielt.

Streicherklang und Energie: Mendelssohns Streichersinfonie
Die Streicher legen dagegen erstmal Wert auf einen eher festlichen Klang. Der weiche, elegische Beginn der Streichersinfonie wirkt warm und mit Bedacht zurückgesetzt. Aber schon beim Übergang in den schnellen Teil des ersten Satzes deutet sich die hohe Spielfreude und der manchmal gar furiose Angang an. Schnelle Tonfolgen kommen dabei fast schon zu treibend. Die Musiker*innen gehen zeitweise nahezu aus dem Tempo und müssen sich konzentrieren kompakt zu bleiben. Was aber immer beeindruckend gelingt, und damit sehr viel fast schon symphonischen Schwung bringt. Im Verlauf der Sinfonie ändert sich das auch nicht, schnelle Teilmelodien werden immer sehr markant und beschleunigt ausgeführt, dies aber in beeindruckender Synchronität. Dadurch bleibt der Vortrag frisch und agil, und geht zum Ende des Werkes hin nochmal richtig ins Tempo.
Das gesamte Orchester: Schumanns „Overture, Scherzo und Finale“
Das macht dann richtig Lust darauf das gesamte Orchester zu hören, und „Overture, Scherzo and Finale“ ist dafür eine perfekte Wahl. Die Instrumentengruppen können sich perfekt komplementieren, übergeben Melodien hin und her, und schichten Erzählebenen lebhaft und fröhlich, so dass ein konzertant unterhaltsames Ganzes entsteht. Dabei setzen die Hörner mit ihrem ureigenen Timbre sowohl interessante Impulse, als auch wirkungsvoll dargestellte Melodien, die dann manchmal von den Flöten einige Tonlagen höher flankiert werden. Insgesamt ergibt das einen sehr runden Klang, und im „Finale. Allegro molto vivace“ bringt das Ensemble unter Jörg Widmann das Album dann zu einem zunächst sehr sanglichen, und dann kraftvollen und dichten Abschluss.
Jörg Widmanns nächste Veröffentlichung mit dem Irish Chamber Orchestra namens „invitations“ gelingt als abwechslungsreiches Werk, das die Vielseitigkeit des Klangkörpers sehr unterhaltsam darstellt.


