Vom 15. bis 23. November 2025 wird Hamburg wieder zur Bühne für eine der spannendsten Entwicklungen im Kunstlied: Das NORDLIED Festival lädt unter dem Motto #cometogether zum Dialog in Liedform – zwischen Generationen, Kulturen, Kunstformen und Weltanschauungen. Mit seiner nunmehr dritten Ausgabe hat sich das von Liedwerk e.V.organisierte Festival endgültig als mutige Plattform für neue Perspektiven auf das Kunstlied etabliert.
Was das Festival so besonders macht, ist seine Offenheit gegenüber dem Wandel. Kunstlied wird hier nicht als museale Form verstanden, sondern als lebendige Sprache, die sich mit heutigen Fragen verbindet: Wie kann Musik gesellschaftliche Brüche überbrücken? Wie klingt Nähe, wenn Worte scheitern? Wie viel Gegenwart verträgt ein traditionsreiches Genre?
NORDLIED Festival mit gemischtem Programm
Diesen Fragen geht das Festival in fünfzehn Veranstaltungen an unterschiedlichsten Spielorten nach – von der Jazzhall über den Tonali Saal bis zur Christianskirche Altona oder dem resonanzraum St. Pauli. Dabei entstehen oft ungewöhnliche Allianzen: Lied trifft auf Illustration, Schauspiel, Tanz, Politik, Poetry Slam und sogar Schulprojekte. So gestalten etwa Jugendliche gemeinsam mit Komponist Samuel Penderbayne und Sopranistin Fee Brembeck einen Liederabend, oder das Bundesjugendballett trifft auf Gustav Mahler und Bob Dylan in einem spartenübergreifenden Abend.
Ein ganz besonderer Punkt des Festivals steht am 17. November im Körberhaus Bergedorf auf dem Programm: Die Doppelveranstaltung „Stimmen einer zerrissenen Region“ widmet sich dem Dialog zwischen Israel und Iran – zwei Ländern, deren Verhältnis von tiefgreifenden Spannungen, politischer Feindschaft und gegenseitiger Abgrenzung geprägt ist. Und doch öffnet das NORDLIED Festival einen Raum, in dem eine andere Sprache spricht: die der Musik.
Den Auftakt bildet eine Podiumsdiskussion mit dem Psychologen und Extremismusexperten Ahmad Mansour sowie der Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Katajun Amirpur, moderiert von Birgit Langhammer vom NDR. Sie bringen differenzierte Sichtweisen auf Politik, Religion und Gesellschaft in beiden Ländern ein – mit dem Ziel, Brücken zu bauen statt Fronten zu vertiefen.
Im Anschluss folgt das Konzert „ComeTogether“, das den Gedanken des Dialogs musikalisch fortsetzt. Die iranisch-kanadische Sängerin und Komponistin Golnar Shahyar trifft auf die israelische Mezzosopranistin Hagar Sharvit – zwei Stimmen, zwei Welten, ein gemeinsames Anliegen: über Musik zu verbinden. Am Klavier begleitet Burkhard Kehring.
Künstlerische Hoffnung
Diese Konstellation zeigt exemplarisch, worin die Kraft des Festivals liegt: Es denkt das Kunstlied nicht isoliert, sondern als Resonanzraum für politische Realität, für biografische Wunden und künstlerische Hoffnung. Die Begegnung von israelischer und iranischer Stimme ist dabei nicht nur musikalisch reizvoll, sondern auch ein mutiger politischer Akt – jenseits offizieller Diplomatie, in einem Terrain, wo Zuhören mehr bewirken kann als jede Debatte: im Konzertsaal.
Das NORDLIED Festival zeigt mit dieser und anderen Veranstaltungen, dass das Kunstlied ein Zukunftsformat sein kann – wenn es bereit ist, über sich hinauszuwachsen. Das Motto #cometogether ist dabei kein Wohlfühlslogan, sondern ein künstlerisches Versprechen.
Das gesamte Programm des NORDLIED Festival 2025 findet man hier.


