Leif Ove Andsnes – Mozart Momentum – 1785

Von Kai Germann

Mozart Momentum Cover


1785 war für Wolfgang Amadeus Mozart ein ganz besonderes Jahr. Er zog in eine geräumige Wohnung und bekam sein erstes eigenes Klavier in die Wiener Domgasse Nr. 5 geliefert. Damit verbunden änderte sich auch sein kompositorischer Stil. Statt wie bisher die üblichen kommerziellen Klavierkonzerte zu komponieren, setzte er eher auf Klasse, statt auf Masse. Schon bei den ersten Tönen des Piano Concerto Nr. 20 in d-moll KV 466 ist eine emotionale Wucht erkennbar, die man so bisher von Mozart in der Vergangenheit noch nicht gehört hatte. Entsprechend enthusiastisch reagierte das Wiener Konzertpublikum bei der Uraufführung. Es war der Beginn einer einzigartigen Schaffensperiode. Somit verwundert es nicht, dass sich Leif Ove Andsnes mit seinem neuen Doppelalbum diesem besonderen Zeitraum gewidmet hat.

Andsnes gelingt es auf faszierende Art und Weise, die dramatischen Akzente des Concerto Nr. 20 aufzufangen und zentriert umzusetzen. Begleitet wird er von einem voluminos agierenden Mahler Chamber Orchestra, welches sich hier in bester Spiellaune präsentiert. Selbst der lyrisch eher einfach gestricktere 2. Satz (Romanze) wird kontrastreich und harmonisch abgebildet.

Vom Erfolg des Konzertes gleichzeitig überwältigt wie inspiriert, legte Mozart nur knapp 4 Wochen später das Piano Concerto Nr. 21 in c-dur KV 467 vor und übertraf dabei alle Erwartungen. Trotz des Einsatzes fast gleicher Orchesterelemente könnten die dramatischen Strukturen unterschiedlicher gar nicht sein. Besonders der 2. Satz (Andante) verhalf dem Konzert zu einer ungeheuren Popularität, die bis heute anhält. Das Hauptthema wurde schon für unzählige Fernseh- und Filmproduktionen verwendet und dürfte selbst Klassik-Abstinenzlern ein Begriff sein.

Farbgebung

Auch bei diesem Konzert gelingt Andsnes die perfekte Balance zwischen harmonischer Bandbreite und poetischer Farbgebung. Das Mahler Chamber Orchestra erweist sich dabei als kongenialer Begleiter auf der gesamten Wegstrecke.

Den Abschluß des Konzertgeschehens bildet das von Mozart im Dezember 1785 komponierte Klavierkonzert Nr. 22 in es-dur KV 482. Hier überrascht das „Wolferl“ mit einem neuen Klanggemälde, da er das Orchester um Klarinetten erweitert hatte. Das fesselnde Spiel von Leif Ove Andsnes untermauert die magnetische Sogwirkung dieses Meisterwerks aus der Feder des Salzburger Genies.

Leif Ove Andsnes Porträt
Leif Ove Andsnes, Foto von Gregor Hohenberg


Auf dem zweiten Silberling befindet sich noch die recht düstere Klavierfantasie in c-moll KV 475, welche eine regelrecht geisterhafte Grabesstimmung vermittelt, nebst dem Quartett für Klavier, Violine, Viola und Cello Nr. 1 in g-moll sowie die Maurerische Trauermusik in c-moll KV 477. Mozarts Einfallsreichtum kannte 1785 keine Grenzen und seine kompositorische Energie bestach wie selten zuvor durch eine ungeheure Tiefe.

Fazit

Das neue Doppelalbum „Mozart Momentum 1785“ von Leif Ove Andsnes und dem Mahler Chamber Orchestra kann schon jetzt als ein musikalischer Höhepunkt zur Mitte des Jahres angesehen werden. Klangtechnisch sowie interpretatorisch wird die Messlatte sehr hoch angelegt. Der sinfonische Aufbau der Klavierkonzerte ist hervorragend umgesetzt und sorgt für spannungsgeladene Momente. Andsnes spielt nicht nur, er dirigiert die Konzerte auch gleichzeitig. Ein Konzert-Ereignis auf höchstem Niveau und ein absolutes Muss für alle Mozart-Fans.

Mozart Momentum – 1785 – Die Tracks

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