Man weiß nie, wer zuhört! – Elisabeth Plank im Interview

Von Stefan Pillhofer

Die in Wien geborene und dort ansässige Harfenistin Elisabeth Plank hat ihre Karriere äusserst vielversprechend auf den Weg gebracht, arbeitet mir zwei Solo-Veröffentlichungen im Rücken nun an ihrer Dritten, hat bereits ein eigenes Harfenfestival gegründet, und mit namhaften Ensembles international konzertiert. Im Interview spricht sie über das Leben im Lockdown, ihre bisherigen Konzerte und die Solo-CD „1825“.

Elisabeth Plank Porträt
Elisabeth Plank, Foto von Theresa Pewal

Elisabeth, in dieser Zeit konzentrieren sich alle mehr auf den eigenen Kosmos. Wie ist das einsame Übeleben für Sie als Harfenistin im eigenen Studio zwischen lästigem Saitentausch, und fehlendem Instrumententransport?

Auf den ersten Blick gar nicht so anders, aber dadurch, dass es kaum Konzerte gibt, fehlen manchmal vielleicht die konkreten Ziele – die muss man sich momentan eben selber setzen. Der Harfentransport geht mir als einziger Aspekt davon nicht so sehr ab.
Gerade habe ich auch Zeit für andere Dinge, die sonst oft zu kurz kommen, wie etwa der erwähnte Saitentausch (aus klangliche Gründen muss man vor allem die tiefen Saiten der Harfe regelmäßig wechseln, ansonsten tauscht man nur wenn eine Saite reißt, da das bei den hohen Saiten sowieso regelmäßig passiert).
Ich habe alleine im letzten Jahr an sieben neuen Stücken mit Komponisten und Komponistinnen gearbeitet, habe endlich meine Noten neu sortiert, und neues Repertoire einstudiert. 

Sie sind Great Talent des Wiener Konzerthauses. Was hat es damit auf sich?

Great Talent ist ein Nachwuchsförderprogramm des Wiener Konzerthauses. Für jeweils zwei Saisonen werden ein paar junge MusikerInnen ausgewählt. Man bekommt die Gelegenheit Konzerte in verschiedenen Konstellationen zu spielen, also quasi wie ein „artist in residence“: bisher hatte ich z.B. Kammermusikprogramme mit anderen Great Talents, oder Auftritte mit dem Jess-Trio und als Solistin mit dem Wiener KammerOrchester.

Sie haben vor einigen Jahren die Vienna Harp Days gegründet, und geben dort Master Classes. Ist diese Veranstaltung dieses Jahr wieder ganz normal geplant?

Wenn es die Umstände zulassen dann sollen die Vienna Harp Days natürlich wie geplant stattfinden, aber es hängt klarerweise auch viel davon ab, ob die Teilnehmer*innen und die anderen Lehrenden aus dem Ausland einreisen können. Ich hoffe es sehr, denn dieses Jahr wird auch unsere bisher größte Ausgabe, mit einem Festivalwochenende mit Konzerten und Vorträgen und einer großen Harfenausstellung von Salvi Harps und Lyon & Healy.


In der aktuellen Situation tritt für Sie Lehrtätigkeit mehr in den Vordergrund. Ist das eine für Sie interessante Perspektive, oder bleiben Sie in normalen Zeiten doch lieber auf der Konzertbühne?

Ich bin tatsächlich kurz vor dem ersten Lockdown im März 2020 meine Stelle an der mdw angetreten, das hat mir in diesen ersten Wochen der Ungewissheit Regelmäßigkeit gegeben. Mein momentaner Fokus ist auf jeden Fall das Konzertieren. Ich unterrichte aber sehr gerne, denn für mich ist es eine ideale Ergänzung und ein Ausgleich dazu. Jede*r Studierende braucht einen anderen Blickwinkel, andere Ansätze, das zwingt mich dazu, mich ständig zu hinterfragen – so bleibt mein eigenes Üben durch neue Ideen frisch.

Die aktuelle Situation bremst auch ihre junge, vielversprechende Karriere radikal aus. Welche Möglichkeiten nutzen Sie um Kontakte zu halten und trotzdem Projekte zu realisieren?

Da ja die Veranstalter trotz allem planen müssen, geht die Planung im Hintergrund zum Glück bis jetzt relativ normal weiter. Aktuell nähere ich mich meiner Planung von 2022/23 und das ist motivierend in Zeiten des Stillstandes. Und durch neue Formate, vor allem online, gibt es auch immer wieder Gelegenheit sich dennoch präsentieren zu können und vielleicht andere Leute zu erreichen.

Wie ist die Situation Ihrer geplanten Konzerte. Gibt es Verschiebungen, die später stattfinden können, oder wurde alles abgesagt?

Meine Konzerte wurden zum Glück bisher zu 95% verschoben, nur einige komplett abgesagt, manche Projekte sind auch einfach „ruhend gestellt“ und warten auf bessere Zeiten. Einige wurden auch in Livestreams umgewandelt.

Porträt 2
Elisabeth Plank, Foto von Julia Wesely

Viele nutzen gerade die Zeit um über ihre bisherige Konzerte zu reflektieren. Welches war denn für Sie das “wichtigste” Konzert bisher?

Das kann ich gar nicht so sagen. Es gab viele Konzerte die aus verschiedenen Gründen wichtig für meine Laufbahn waren, sei es aufgrund renommierter Veranstalter oder Orchester, oder einfach Kontakten die sich daraus ergeben haben – es ist das Mosaik aus all diesen Konzerten, das es ausmacht denke ich. Man sollte jedenfalls nicht den Fehler machen und manche Konzerte weniger ernstnehmen, denn nur weil vielleicht der Saal nicht renommiert ist, hat das Publikum nicht weniger Anrecht auf ein wunderschönes Konzert – und: man weiß sowieso nie wer zuhört!

Ein besonderes Konzert ist für mich sicher mein Debüt im Wiener Konzerthaus mit 17 Jahren, ist es doch der Beginn meiner langen Verbundenheit mit diesem Haus.

Wie bringen Sie Musik zu den Menschen, jetzt in der aktuellen Situation? Es gab da ja eine Veröffentlichung über das Wiener Konzerthaus. Andere Künstler*innen arbeiten mit Streamingkonzerten, oder Übe-Streams.

Ich versuche da die richtige Mischung zu finden. Ich habe für mich entschieden, auf social media hauptsächlich Ausschnitte aus Stücke zu teilen, denn ich finde es soll Interesse für ein anstehendes Konzert, eine CD, etc. wecken. Im Dezember hat mich das Wiener Konzerthaus eingeladen, die erste musikalische Überraschung ihres Adventkalenders zu sein, auch hier wird nur der Ausschnitt eines Stückes präsentiert.

Im ersten Lockdown habe ich von April bis Juni 2020 eine livestream-Serie namens MUSEaic auf instagram gemacht, es ging darum dass sich Kreative verschiedenster Sparten -vom Koch, zur Tänzerin- von Musik inspirieren lassen und dann basierend auf einem von mir gespielten Stück etwas in ihrer eigenen Kunstrichtung erschaffen.

Am 12.3. gibt es mein Porträtkonzert im ORF Radiokulturhaus als Livestream:
am Konzerttag ist der Stream hier verfügbar.


Ihre letzte CD heisst “1825 – Echoes of Vienna on Historical Harp”, womit Sie auf das Baujahr Ihres Instrumentes hinweisen. Welche Geschichte gibt es da über Ihre Harfe zu erzählen?

Diese Harfe wurde 1825 von der Firma Érard in London gebaut. Es ist eine frühe Doppelpedalharfe. Das heißt dieses Instrument funktioniert grundsätzlich wie eine moderne Harfe, ist aber kleiner, mit nur 43 Saiten (heutige Instrumente haben standardmäßig 47 Saiten) und hat eine geringere Saitenspannung; das erfordert zwar eine gewisse Umstellung der Technik und Spielposition, aber manche Dinge sind dann wiederum leichter zu spielen.

Mithilfe der Seriennummer kann man in den digitalisierten Firmenbüchern einsehen wann genau sie gebaut und verkauft wurde. Leider ist der Name der ersten Besitzerin unleserlich und auch die weitere Geschichte bis ins 21. Jahrhundert fehlt. Aber es gibt Harfen, da lässt es sich noch ganz genau verfolgen.
Ich bin nur durch Zufall auf die Klangwelt dieser historischen Harfen gestoßen und wusste sofort dass ich darin tiefer eintauchen möchte.

Welches Konzept haben Sie bei der Produktion von “1825” verfolgt?

Ich hatte zwei Ausgangspunkte bei der Repertoirewahl: Wien und die Entstehung des Harfenstils.
Alle Werke auf dieser CD habe einen Bezug zu meiner Heimatstadt, denn Wien war im 19. Jahrhundert ein -heute vergessenes- Zentrum der Harfe, alle Komponisten auf dieser CD haben in Wien gelebt und gewirkt.
Das Repertoire spannt sich vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, um so die Entstehung eines eigenen Harfenstils zeigen zu können. Die Firma Érard hat 1810 die moderne Doppelpedalmechanik entwickelt. Durch diese Neuerung hat sich die Harfe eindeutig vom Klavier abgegrenzt, denn plötzlich gab es Spieltechniken, die nur mehr auf der Harfe möglich waren, also das was für uns heute normal und bekömmlich klingt, waren damals eigentlich revolutionäre Klänge.
Die Verwendung eines Originalinstrumentes macht meiner Ansicht nach einen großen Unterschied für die Interpretation der Virtuosenliteratur des 19. Jahrhunderts: die andere Klangwelt dieser alten Harfen (vor allem die viel stärkere akustische Trennung des Bass- und Diskantregisters) gibt den Werken eine ganz andere, klarere Aussage. Mir hat das Spiel auf dieser alten Harfe sehr viel beigebracht – Erkenntnisse, die ich auch auf einer modernen Harfe einsetzen kann.

Haben Sie Ideen oder sogar konkrete Pläne für weitere Veröffentlichungen, über die Sie sprechen können? Welche Aufnahme würde Sie reizen?

Ich werde tatsächlich im Sommer meine dritte Solo-CD aufnehmen. Details möchte ich noch nicht verraten, nur soviel: es wird wieder eine CD auf moderner Harfe und am Konzept habe ich lange gefeilt – ein Herzensprojekt!

Elisabeth, Vielen Dank für dieses Interview!

„1825“ Vorhören

 

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