Ich mag diese Momente sehr, wenn ein Ensemble den Ton einer Komponistin oder eines Komponisten eindrucksvoll umsetzt, gerade wenn der jeweilige Charakter des Klangs sehr eigenständig ist. Georg Philipp Telemann schaffte es, den Ensembles in seinen Kompositionen einen ganz eigenen Sound zu geben. Auf der vorliegenden CD „YOU MADE ME LAUGH“ gelingt genau das den Mitgliedern des Concerto Kopenhagen mit Telemann Flötenkonzerten, die sich für die Aufnahme von zwei Flötenkonzerten und zwei Ouvertüren des langjährig in Hamburg ansässigen Komponisten um die dänische Blockflötensolistin Clara Guldberg Ravn geschart haben.

Telemann Flötenkonzerte im Ensembleklang
Die Ouvertüren rahmen in der Abfolge die beiden Konzerte ein, und von Beginn an kommt die große Fröhlichkeit in der Musik klangvoll zum Ausdruck. Die Ensemblemitglieder erzeugen dabei einen erstaunlich vollen und homogenen Gesamtklang. Mit Violinen, Viola, Cello, Kontrabass, Gitarre und Harpsichord ist die Besetzung nicht sehr divers, und doch mischen die Beteiligten einen recht orchestralen Gesamteindruck. Eine Sonderrolle nimmt für mich dabei aber Marcus Mohlin am Harpsichord ein. Nicht nur durch seine eigene Klangcharakteristik, sondern auch kompositorisch fungiert das Instrument oft wie eine Art „Klebe“ im Ensembleverbund, darüber hinaus zaubert Mohlin aber noch einiges mehr, lässt immer wieder perlende Vorhänge aus Tonkaskaden aus dem Kirchendach herab oder komplementiert mit feingliedrigen Melodielinien die Arbeit der Streicher. Das ist sehr schön in „L’air à l’Italien“ in der ersten Ouvertüre (TWV 55:A2) zu hören, mit perfektem Mikro-Timing purzeln da die Töne aus den Fingern und schaffen diese verschmitzt lächelnde, aber sehr festliche Stimmung.
Orchestrale Fülle im Kammerformat
Richtig witzig wird es dann zur Mitte des Werkes, wenn in „Réjouissance“ das gesamte Ensemble so impulsstark beginnt und auch fortfährt, dass ich zunächst zusammenzucke. Clara Guldberg Ravn begeistert dabei mit viel Agilität in den schnellen Läufen, was sie auch oft im C-Dur-Konzert (TWV 51:Es2) zeigt. Dabei ist das in meinen Ohren noch nicht einmal die bemerkenswerteste Fähigkeit der Flötistin. Am meisten beeindruckt mich auf dem gesamten Album ihre Tongestaltung bei längeren Noten, die sie mit langsamem Vibrato sehr plastisch modelliert und dabei auch noch die Verzierungen zu dosieren versteht, wenn sie gerade in höheren Lagen die Anfänge von lauteren Noten zunächst sehr gerade setzt, um dann erst im weiteren Verlauf Ausgestaltungen zu verwenden.

Ob das nun Intuition oder genaue Planung ist, ist mir nicht klar, spielt für den Hörgenuss aber auch keine Rolle. Ravn positioniert sich mit all diesen spieltechnischen Eigenschaften sowohl als Solistin als auch als gute Ensemblepartnerin, setzt bei hohen Linien zu Flügen durch den Raum der ganz zauberhaft klingenden Borlunda Church im schwedischen Eslöv an und reiht sich dann wieder weich und dunkeltonig in gedeckter angelegte Streicherthemen ein. Zusammen mit dem Ensemble, dessen Arbeit in den Lautstärken mit fein getroffenen und nuanciert eingesetzten Unterschieden sehr beeindruckt, erschafft sie ein fast immer perfekt balanciertes Klangbild, das durch spezielle Elemente wie die Stimmteilung von Blockflöte und Violinen oder der Sonderrolle des Cellos im F-Dur-Konzert komplettiert wird.
Clara Guldberg Ravn als Solistin
Clara Guldberg Ravn und das Ensemble aus dem Concerto Kopenhagen bringen uns fröhlich gestimmte, aber doch stark präsentierte Barockmusik mit rundem und warmem Klang, die in erstaunlich hohem Maß angenehme Stimmung verbreitet!


