nexTus Festival – ein neuer Klassik-Festival-Impuls

Von Stefan Pillhofer

nexTus Festival Banner

Wer sich für Klassik interessiert, und soziale Medien nutzt, der hat es schon erfahren. Es gibt ein neues Festival am Klassik-Himmel, das nexTus Festival. Und wie dieser Tage so üblich, ist es natürlich ein reines Streaming-Event. Allerdings ist so einiges anders am nexTus Festival. Es ist nicht eine etablierte Kulturinstitution, die die Veranstaltung organisiert, sondern eine Gruppe von Musiker*innen, die sich ihre Auftrittsmöglichkeiten selbst schaffen. Auch gibt es flexible Eintrittspreise, und der Rahmen aus Zahl an Konzerten und Herkunft und Anzahl von teilnehmenden Künstler*innen ist durchaus beeindruckend.

Das nexTus Festival startet schon am kommenden Wochenende, und um noch mehr darüber zu erfahren konnte ich Benjamin Hewat-Craw vom Festivalkomitee im Interview befragen.

 

Herr Hewat-Craw, was ist das nexTus Festival, und wie kam es zu diesem Namen?

Das nexTus Festival ist ein internationales online Festival für klassische Musik, das über vier Wochenenden ausgestrahlt wird und 60 Künstler*innen aus 28 Ländern präsentiert. Die internationalen Künstler*innen arbeiten in 24 weitverbreiteten Städten – von San Francisco bis Istanbul – und führen insgesamt 34 Konzerte über die vier Wochenenden auf. Werke von zumindest 25 weiblichen Komponistinnen werden gespielt, und das musikalische Festival hat auch eine grüne Komponente, indem das Festival mit umweltfreundlichen Organisationen wie One Tree Planted und Harmonic Progession aktiv kooperiert.

Der Name kommt aus zwei Quellen und bestimmt die künstlerische Richtung des Festivals. Der Titel bezieht sich erstmal auf ‚Nexus’ – Gemeinde, Verbindung – und legt einen Schwerpunkt auf unsere Musikergemeinde und uns als Gesellschaft, aber gleichzeitig schauen wir in die Zukunft, da wir ‘Next Us‘ heißen, und nach der bestmöglichen Version von uns selbst und der Welt der klassischen Musik streben.

Wer hatte die Idee dazu, und warum wird sie jetzt umgesetzt?

Die Idee stammte aus der Gemeinde BYOM (Be Your Own Manager) – die von dem ehemaligen Intendanten des Wiener Konzerthauses Bernhard Kerres gegründet wurde.
Es ist eine online geleitete, karriereorientierte Ausbildungsgemeinschaft für professionelle klassische Musiker*innen, die sich seit dem ersten COVID Lockdown enorm entwickelt hat, und einen wahrlich einzigartigen Charakter trägt. Das Festival ist ein kreatives Ventil für die Mitglieder. Der COVID Lockdown war sehr problematisch für viele Musiker*innen und hatte viele abgesagte Konzerte zur Folge; wir wollen jetzt mit unserem Festival dagegen kämpfen, und einen alternativen Weg zeigen.

Das Festivalkomitee besteht aus zehn Personen. Wie wurde die Auswahl getroffen?

Die zehn Komiteemitglieder kamen alle aus der BYOM Gemeinde. Grundsätzlich musste man Lust haben, ein Festival zu organisieren. Jedes Mitglied hatte den Kurs bei Bernhard Kerres schon erfolgreich abgeschlossen, deswegen kamen alle mit einer gewissen Ausbildung.

An welchen Zuhörer*innenkreis richtet Ihr Euch mit dem Festival?

Wir möchten nicht nur den etablierten Zuhörer*innenkreis ansprechen, der schon lange mit klassischer Musik vertraut ist, sondern auch neue, jüngere Hörende, die wir mit unserem innovativen Online Festivalformat für die klassische Musik begeistern könnten.

Gibt es Unterstützung von Behörden oder privaten Geldgebern?

Wir bekommen keine Unterstützung von Behörden, aber wir würden uns sehr freuen, wenn private Geldgeber uns über die Crowdfundingplattform Kickstarter unterstützen würden. Wir möchten durch die Spenden unseren Künstler*innen, und dem hart arbeitenden Komitee eine faire Gage bezahlen, und auch ein zukünftiges nexTus Festival ermöglichen.

Wie ist es mit den Preisen für Festival-Tickets? Ich habe da ein Feld gesehen, in das man den Preis selbst einträgt? Was hat es damit auf sich?

Den Preis dürfen die Zuhörer*innen bestimmen, aber wir haben einen Mindestpreis für jede Karte, damit unser Publikum die Freiheit hat, uns finanziell mehr zu unterstützen. Die Corona-Zeiten waren sehr schwierig für alle Künstler*innen und das Publikum könnte durch ihre Großzügigkeit sehr helfen. Wir haben drei Arten von Karten: Festival Pass, Wochenenden Pass und Tagespass. So kann jeder zum Festival kommen, ganz gleich wieviel Zeit er oder sie hat.

Über welche Kanäle wird das nexTus Festival stattfinden?

Die nexTus Festival Konzerte finden online auf unserer Webseite statt, und die Cafés und Gespräche finden über Zoom statt. Wir freuen uns sehr mit unserem Publikum in Kontakt zu treten, und ihre Meinung über Kunst und Kultur zu erfahren.

Wird es die Möglichkeit geben die Konzerte danach „on demand“ anzusehen?

Ja, man kann jedes Konzert bis zu zwei Wochen danach auf unserer Webseite „on demand“ ansehen. Wir wollen dem Publikum die Freiheit geben, die Konzerte anzusehen, wann sie wollen.

nexTus Festival Artists


Gibt es eine stilistische Ausrichtung für das Programm? Sind spezielle Epochen der Klassik geplant, oder sogar andere Genres wie Jazz?

Die stilistische Ausrichtung des Programms ist auf jeden Fall klassische Musik, aber im weitesten Sinne. Wir möchten auch an die Grenzen der klassischen Musik gehen. Am ersten Wochenende präsentieren wir viele Künstler*innen aus Südamerika mit ihrer Tradition des Tangos, und entdecken die Verbindung zwischen den beiden Welten – die Welt der klassischen Musik und die volkstümlichen Wurzeln der Musik aus Südamerika. Es gibt auch Beiträge mit moderner elektronischer Musik, und freie Improvisation. „Nexus“ bedeutet Verbindung, und wir wollen auch in Verbindung mit anderen Kunstformen sein.

Es wird Konzerte an vier Wochenenden mit jeweils zwei Konzerttagen geben. Jeder Tag besteht dann wiederum aus vier Teilen. Sowohl die Wochenenden als auch die Konzertteile haben eigene Mottos, die sehr schön zusammengestellt sind. Allerdings gibt es noch keine weiteren Informationen darüber welche Werke gespielt werden. Bleibt das eine Überraschung?

Wir werden das genaue Programm eine Woche vor dem Festival veröffentlichen. Wir wollen, dass das Publikum in das Konzept des Festivals investiert, und wie Sie schon sagen, gibt es den Vorteil, dass es eine spannende Überraschung bleibt. Das hat auch praktische Gründe: da die künstlerische Situation wegen potenzieller, neuer Lockdowns immer unsicher bleibt, können immer kurzfristige Veränderungen eintreten, so dass wir flexibel bleiben müssen.

Sind Konzerteinführungen mit zusätzlicher Information zu den gespielten Werken geplant?

Jede*r Teilnehmer*in wird über die aufgeführten Werke in ihrem Video sprechen. Das werden also sehr persönliche und intime Konzerteinführungen, nicht nur über das gesamte Konzept des Konzerts, sondern auch über die individuellen Stücke.

Es spielen ja Künstler*innen die in der BYOM Academy organisiert sind, oder nehmen noch andere Teil?

In jedem Konzert gibt es jemanden, der die BYOM Academy repräsentiert, aber es nehmen auch viele andere Künstler*innen teil. Das Festival wird ein großes Fest der BYOM Academy sein, und wird zeigen, was diese Gruppe an Musiker*innen im letzten Jahr online geleistet hat. Das Publikum darf sich sehr auf ein großartiges Programm freuen, und wir können es kaum erwarten es zu präsentieren!

Herr Hewat-Craw, vielen Dank für das Interview!

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