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Einfach Klassik.

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CD-Review: Trio Palladio, Works for Piano Trio by Pēteris Vasks

Auf seinem Debütalbum Works for Piano Trio by Pēteris Vasks präsentiert das Trio Palladio gleich eine bedeutende Werkauswahl. Pēteris Vasks ist derzeit einer der gefragtesten Komponisten, denn die teils sphärische, teils unruhig wandernde Musik des lettischen Komponisten wird immer öfter programmiert und aufgenommen. Dass bisher eher seine Chorwerke bekannt wurden, bestärkte das auf baltische Komponisten spezialisierte Trio Palladio wohl zusätzlich, sich nun seiner Kammermusik in einer bedeutenden Veröffentlichung zuzuwenden. Die drei lettischen Solisten Kristīna Blaumane, Cello, Eva Bindere, Violine und Reinis Zariņš, Piano haben schon einige Jahren erfolgreiche, internationale Konzerttätigkeit hinter sich, und fanden hier mit Vasks sogar einen richtigen Kooperationspartner, der eigens für die Aufnahme eines der Werke umarrangiert hat. 

All diese vielen, stimmigen Zutaten, zu denen noch die simple Tatsache der hervorragenden Ausbildung der drei Interpreten hinzukommt, machen diese Veröffentlichung zu einem ganz besonderen Hörerlebnis. Das sicherlich bewusst als Einstieg in das Album gewählte “Lonely Angel”, welches in anderer Besetzung als populäreres und oft gespieltes Stück des Komponisten Pēteris Vasks gelten kann, versuchen die Musiker tatsächlich in seiner ursprünglichen, emotionalen Intention zu ergründen, und arbeiten die zwischen Solostimme und Begleitung geschaffenen Spannungsbögen genau heraus, ohne jedoch zu elegisch zu werden, ohne sich selbst, einander und den Vortrag zu verlieren.

So bleibt trotz aller Vibratoarbeit in der Violine, und trotz der sanft gelegten Klavierostinati immer eine grundlegende und erfrischende Nüchternheit in der Interpretation stehen. Die ikonischen und charaktergebenden Akkordklaster in der Klavierstimme drängt Reinis Zariņš nie in den Vordergrund, immer bleibt er ensembledienlich. Einzig die Violine hätte dem Vortrag noch etwas mehr Eigenleben verleihen können, durch mehr Risiko in der über das gesamte Stück gespannten, großwelligen Modulation der Vortragsintensität.

Reise durch Stimmungen

Im raumgreifenden “Episode e canto perpetuo”, einer Hommage an Olivier Messiaen, das aus acht kurzen, charakterlich sehr unterschiedlichen Sätzen besteht, zeigen die drei Musiker am deutlichsten den wichtigen Wesenszug von Vasks Musik, die innere Stille. Mit fast meditativer Konzentration gestalten die Musiker gerade die ruhigen Elemente, am deutlichsten in “Canto perpetuo” wo vor allem Violine und Cello ihre Stimmen fast komplett verschmelzen und damit für den Hörer ein kombiniertes Klangerlebnis erschaffen. Hier fällt aber zusätzlich auch der wunderschön gestaltete, seidig singende Ton der Violine auf, der den Vortrag dann auch leicht in eine andere Zeit versetzt.

Trio Palladio, Foto by Jānis Porietis

Aber auch die schnelleren Sätze wie “Burlesca I” und “Burlesca II” bekommen durch den vor allem bei den beiden Streichern klar erkennbaren griffigen Tonansatz die nötige Agilität, diese Nach-Vorne-Gebeugtheit, die man sich von einem spannenden, abwechslungsreichen Vortrag erhofft. Auch hier bilden die drei vor allem gegen Ende von “Burlesca I” wieder in beeindruckender Synchronität diese Akkordverschmelzungen, die schon fast ein neues, übergeordnetes Instrument entstehen lassen.

Aufwachen!

“Plainscapes” hat der Komponist ursprünglich für Violine, Cello und achtstimmigen Chor geschrieben. Bei der Umarbeitung für Piano Trio blieben die Streicherstimmen fast unverändert, während das Klavier komplett den Chorpart übernahm. Zusätzlich wurde die Steigerung gegen Ende des Stückes noch erweitert, um noch deutlicher das Gefühl einer Morgenstimmung und das Erwachen der Natur zu transportieren. In der Aufnahme stellen sich hier Klavier und Violine schön gegenüber und wechseln sich respektvoll in der Führungsstimme ab. Die Steigerung führen dann alle drei Musiker einmütig, und mit der Behutsamkeit einer Naturbeobachtung aus, und auch der Schluss des Stückes bekommt von den Musikern arbiträren Charme zugedacht.

Vasks Musik bekommt mit dieser Veröffentlichung einen interessanten, und neuen kammermusikalischen Fokus, und vielleicht ist dieses Album – Works for Piano Trio by Pēteris Vasks – in Zukunft als Erstes in einer neuen Entwicklung zu sehen.

Tracklist

Icon Autor lg
Stefan Pillhofer ist gelernter Toningenieur und hat viel Zeit seines Lebens in Tonstudios verbracht. Er hat viel Hörerfahrung mit klassischer und Neuer Musik gesammelt und liebt es genau hinzuhören. In den letzten Jahren hat sich die Neue und zeitgenössische Musik zu einem seiner Schwerpunkte entwickelt und er ist stets auf der Suche nach neuen Komponist*innen und Werken. Stefan betreibt den Orchestergraben-Blog, wo er in gemischten Themen über klassische Musik schreibt. Darüberhinaus ist er auch als Konzertrezensent für Bachtrack tätig.
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