neue Musik leben – das Buch zum Podcast

Von Stefan Pillhofer

Buch zum Podcast


Den Podcast “neue musik leben” haben wir im Blog bereits vorgestellt. Nun bringt die Macherin Irene Kurka eine Auswahl der bisherigen Folgen als Buch heraus.

Und ich war von Anfang an etwas überrascht von dieser Idee. Viele Bücher werden ja zusätzlich als Audiobook angeboten. Hier ist es irgendwie andersherum. Ich war also recht gespannt darauf, wie sich das dann beim Lesen anfühlen würde. 

Dass Kurka in den Themen für ihre Podcast-Episoden nicht einem starren Konzept folgt, fand ich immer sehr angenehm. Hier im Blog geniessen wir ja auch den Themenmix. In neue musik leben wechseln sich Interviews ab mit persönlichen Kommentaren der Podcasterin zur aktuellen Situation, Beiträge aus dem generellen Alltag einer Musikerin, sowie Informationen über Gesangstechnik. Das bringt Frische und Abwechslung in die Episodenliste.

Das Buch zum Podcast

Und so präsentiert sich auch das Buch. Den Großteil bestreiten Kapitel über Interviews mit Persönlichkeiten aus der Neuen Musik, die auch im Podcast das Gros ausmachen. Besonders aufmerksam habe ich mich dabei auf Gespräche konzentriert, an die ich mich aus dem Podcast noch gut erinnern konnte. Und erstaunlicherweise konnte ich beim lesen die Interviews noch einmal ganz neu erleben, und die vielen interessanten Themen mit mehr Ruhe aufnehmen. Das liegt natürlich an der unterschiedlichen Natur der Medien. Einen Podcast höre ich gerne während ich etwas anderes mache, Hausarbeit, Kochen, Aufräumen, und ausserhalb der Pandemie auch Bahnfahren. Ein Gespräch das da ungebremst in Echtzeit stattfindet mogelt schonmal das eine oder andere Detail zwischen das Kramen im Kühlschrank, oder veränderte Aufmerksamkeit beim Umsteigen im ÖPNV. Auf der anderen Seite habe ich noch nie versucht, ein Buch während des Abspülens zu lesen. 

Und dieser einfache Umstand lohnt sich beim Erleben von Kurkas Podcast. Im Audio erlebt man den oder die Interviewpartner*in ganz persönlich, im Buch kann man im eigenen Tempo den Details folgen.

Kurka stellt an den Anfang des Buches die gegenseitigen Interviews mit Moritz Eggert, womit sie gleichzeitig ihre eigene Vorstellung, als auch einen der wichtigsten Interviewpartner abhandelt. Damit kommt sie gleich zur Sache, aber beide haben eben auch viel zu erzählen, und stimmen mit den Gesprächen schön auf das Buch ein. 

Immer persönlicher wird es zum Beispiel im Gespräch mit der Komponistin Sarah Nemtsov, die so lebhaft von ihren bewegenden Erlebnissen erzählt. Sie gibt viel Einblick und Hintergrund zu ihren Einflüssen, dazu wie sie Neue Musik sieht und wie sie arbeitet. Wenn man Neue Musik mag, dann hat man ihren Namen sowie die der anderen Interviewpartner*innen wohl schonmal gehört, und kann sich über die vielen, persönlichen Einblicke freuen. 

Unmittelbar Erleben

Und dann ist da natürlich das Interview mit der Dirigentin Eva Meitner, die ich auch schon für den Orchestergraben interviewen durfte. Auch in diesem Buch springt der Funke ihrer euphorisch begeisterten, klar analysierenden und klug argumentierenden Natur beim lesen über, und man wird richtig in das Gespräch hinein gezogen. Ich habe mich ehrlich gesagt manches mal etwas gewundert über die oftmals gleiche Fragestruktur Kurkas. Aber nach diesem großen Bogen aus Podcast und Buch wird mir klar, dass sie dadurch Hörer*innen und Leser*innen ermöglicht, die unterschiedlichen Charaktere der Menschen, die die Podcasterin trifft, zu beobachten und zu bestaunen. Man kann unmittelbar erleben, wie sich Persönlichkeiten innerhalb ähnlicher Fragen unterschiedlich zeigen, fast wie Blumen, die mit sehr ähnlichen Anfangsvoraussetzungen doch ganz unterschiedlich aufgehen.

Irene Kurka
Irene Kurka, Foto von Thomas Götz


Ein weiteres Thema des Buches sind die Kapitel über Gesangstechnik, Kooperation mit Komponist*innen und allgemeinere Themen zu Musik und dem Alltag von Musiker*innen. Zunächst war ich von dieser Auswahl überrascht, ich hätte wohl eher die homogenere Fokussierung auf eine reine Interviewauswahl erwartet. Manches Kapitel über Gesangstechniken hängt auf den ersten Blick vielleicht etwas verloren im Gesamtkonzept. Da dies aber ein Buch zum Podcast ist, spiegelt die Inhaltsstruktur wider, was den Podcast ausmacht. Eine abwechslungsreiche Mischung aus Themen, die Irene Kurka wichtig sind, die sie bewegen. Und damit sind wir bei der großen Stärke des Buches, sowie des Podcasts: Persönlichkeit. Letztlich trifft man hier selbige einer faszinierenden Künstlerin, der der eigentlich schon auf so vielen Ebenen anspruchsvolle Beruf der Sängerin nicht genug ist, die immer weiter erleben, erforschen und umsetzen will.

Allen die Neue Musik mögen, oder sich ihr öffnen mögen sei dieses Buch sehr empfohlen, egal ob sie den Podcast neue Musik leben schon kennen oder nicht.

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