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CD Review: Rautavaara – Works for Cello and Piano, Tanja Tetzlaff, Gunilla Süssmann

Die Musik von Einojuhani Rautavaara ist derzeit viel besprochen und viel gehört, wegen seines eindrücklichen Stils, der neben dem Modernismus auch sehr tonale Harmonien betont. Die Musik vereinnahmt, man wird in sie hineingezogen, und es ist diese Mischung aus seltenen, spätromantischen Anleihen und fast naiven, puren Melodieverläufen, die mich immer wieder im Kleinen sprachlos machen. Am schnellsten wirkungsvoll wird das in einem größeren Ensemble, Rautavaaras Symphonien sind viel beachtet. Mit ihrer Erfahrung und Lebenstiefe scheint es Tanja Tetzlaff und Gunilla Süssmann aber ein Leichtes und eine Freude zu sein diese zauberhafte Räumlichkeit in beeindruckender Konsequenz und spielender Leichtigkeit auch im kleinen Ensemble zu erschaffen. Und so schien es eine ganz besonders bewusste Entscheidung für ein Projekt gewesen zu sein, Rautavaaras Werke für Cello und Piano als Tonträger einzuspielen.
Wenn ich diese Aufnahme höre, dann fühle ich mich, als würde ich in ein Mikroskop blicken. Etwas eigentlich Kleines erscheint dabei riesig und man wird in eine ungeheure Raumtiefe gebracht, scheint schweben zu können durch die Weiten des Objektes. Die Musikerinnen wirken dabei auch etwas als Vergrößerungslinsen, die einsame Cellomelodien und Klavierstimmen zu eigenen Kosmen etablieren. Tanja Tetzlaff nutzt Resonanzen und Strichstärke in Verbindung sehr geschickt um diese fast überdimensionalen Räume herzustellen, und das in monophonen Melodien. Gunilla Süssmann am Klavier hat dafür sogar noch mehr Möglichkeiten, die sie mit schlauer Dosierung nutzt. 
Schon in der Cello Sonate No. 1 zeigen die beiden Musikerinnen all das in enger, fast inniger Zusammenarbeit. Süssmann umschlingt die Akkorde am Anfang mit einem mystischen Tuch und zeigt damit viele Fragen auf. Darüber erhebt sich Tanja Tetzlaff mit dem Cello und scheint all die Fragen beantworten zu können, wodurch eine Erzähldynamik entsteht die ständige Spannungsbögen bereit hält. In den langen Verläufen peitschen sich die beiden Musikerinnen gegenseitig von einem fortissimo ins nächste, um dann in der nächsten ruhigen Passage nachdenklich zu plätschern. Rautavaaras Musik hält alle Möglichkeiten dafür bereit, und in dieser Aufnahme werden sie genutzt!
Auch im tiefgreifenden „Sydämeni laulu“ zeigen die Musikerinnen höchsten Gestaltungswillen, Gunilla Süssmann arbeitet sanft den ostinativen Charakter der Begleitung heraus und lässt Tanja Tetzlaff viel Platz um erzählend zu malen, weicht mit zurück, schreitet nach vorne, baut Raum um das Cello. 
Erstaunlich ist es auch, wie komplett Tetzlaff die Solo Sonate interpretiert. Sie spielt sich regelrecht hinein in das vom Komponisten angebotene Ton- und Dynamikspektrum, und bietet so mit dem Soloinstrument mühelos einen kompletten Vortrag. 
Man merkt an jeder Stelle dieser Aufnahme wie sehr die Musikerinnen in Rautavaaras Kompositionen hineingezogen wurden, und dem Hörer kann es auch so ergehen, einfach zudem, denn es braucht nicht viel um sich auf diese Musik einzulassen. 

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