Einfach Klassik.

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Artur Pereira Beethoven Sonaten Cover

Artur Pereira spielt Beethoven: Pathétique und Waldstein im Fokus

Der portugiesische Konzertpianist und Buchautor Artur Pereira hat es sich zur Aufgabe gemacht, innerhalb von 7 Jahren sämtliche Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven neu einzuspielen. Nun liegt aktuell die 3. Ausgabe dieses Unterfangens vor.

Die Pathétique ohne romantische Verklärung

Zwischen 1797 und 1799 komponierte Beethoven eines seiner bekanntesten Werke, die Grande Sonate pathétique, op. 13., dem Fürsten Karl von Lichnowsky gewidmet, der neben dem Grafen Waldstein einer von Beethovens wichtigsten Gönnern war. Es ist immer wieder bemerkenswert, mit welch einer geradezu empirisch wirkenden Transparenz Artur Pereira sein Spiel ausbalanciert. Das allegro gestaltet er eher kühl und ohne falsches Pathos. Dabei verzichtet er gänzlich auf romantische Traditionen, der Flügel wirkt im Klang etwas metallisch, ohne übermäßigen Pedaleinsatz, aber stets auf Präzision achtend, klar strukturiert und mit scharfen Konturen. Pereira ist kein Pianist für opulente Klanggemälde. Er will nicht berauschen, sondern Raum für Entdeckungen geben. Selbst das adagio lässt unter seinen Händen jedwede zuckersüße Romantik beiseite.

Die Waldstein-Sonate als musikalische Exkursion

Die Waldstein Sonate op. 53 entstand zwischen 1803 und 1804. Beethoven war es ein großes Bedürfnis, seinem einstigen Förderer und Freund aus Bonner Tagen damit seinen Dank auszusprechen. Seit 1794 ist jedoch kein Kontakt zwischen Beethoven und Waldstein dokumentiert und es ist fraglich, ob der Graf von der Widmung wusste respektive die Komposition überhaupt zur Kenntnis genommen hat. Der einst sehr wohlhabende Waldstein starb 1823 völlig verarmt, da er sich finanziell völlig übernommen hatte u.a. durch den Aufbau einer privaten Armee gegen Napoleon. Auch Fehlspekulationen unterschiedlicher Natur sollen seinen Ruin mit begünstigt haben. Wie dem auch sei, durch die Widmung hat Beethoven seinem ehemaligen Mäzen jedenfalls ein Denkmal gesetzt.

Artur Pereira Portrait
Artur Pereira

Schon beim allegro der Sonate macht Artur Pereira dem Hörer klar, dass er sich nicht anbiedern sondern zu einer Exkursion einladen will. Die Abbildung der vibrierenden Einleitung gelingt ihm vortrefflich und das adagio intoniert er mit einer angemessen sakralen Nuance, wobei der 3. Satz mit seiner dynamischen Coda als absoluter Höhepunkt dieser traumhaft anmutenden Sonate ausgestaltet wird.

Auch mit dieser Veröffentlichung hat Artur Pereira wieder einmal gezeigt, dass er zu den progressivsten Pianisten seiner Zeit gehört. Sein Spiel ist pure Energie, komplex und analytisch, dabei immer forschend, aber niemals belehrend. Sicherlich kein routinierter Beethoven für Einsteiger, aber definitiv einer für Kenner und innovative Geister. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Musikmarkt mit Beethoven-Sonaten völlig überladen ist, stellt gerade Pereira mit seinem facettenreichen Spiel eine echte Bereicherung dar.

Die Bezugsquellen für das physische Produkt können hier entnommen werden.

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Kai Germann ist Pädagoge und war 15 Jahre lang Radiomoderator in unterschiedlichen Sendeformaten. Schon als Jugendlicher früh durch Oskar Werner inspiriert, hat er sich intensiv mit Poesie, Literatur und klassischer Musik auseinandergesetzt und auch selbst Klavier gespielt. Neben dem Schwerpunkt Wiener Klassik liebt er Musik in all ihren Facetten. Er schreibt Film-Rezensionen und Klassik-Reviews (Konzerte, CD-Neuerscheinungen, Buchbesprechungen), führt Interviews zum Thema Film, Theater, klassische Musik, und hält sich gerne in Salzburg auf. Kai Germann möchte mit seinen Beiträgen nicht nur Kenner, sondern auch Neueinsteiger jeden Alters für die vielen unterschiedlichen Facetten der klassischen Musik begeistern.
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