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Einfach Klassik.

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Lisa Batiashvili Cover

CD-Review: Lisa Batiashvili – Secret Love Letters

Als Konzept für ihr neues Album wählte Lisa Batiashvili den Komponistenkreis um César Franck, dessen Sonate für Violine und Klavier sie zusammen mit ihrem Landsmann, dem jungen Pianisten Giorgi Gigashvili spielt. Das “Poème” für Violine und Orchester des Franck-Schüles Ernest Chausson befindet sich dann zentral auf dem neuen Album, genauso wie das Violinkonzert Nr.1 von Karol Szymanowski, beide eingespielt mit dem Philadelphia Orchestra. Zum Abschluss findet sich dann noch Claude Debussys “Beau soir” in der Bearbeitung von Jascha Heifetz, das sie zusammen mit ihrem Kooperationspartner am Dirigierpult Yannick Nézet-Séguin, dann am Klavier, aufgenommen hat. Interessanterweise hatte das Philadelphia Orchestra bereits im Jahr 1924 die US-Premiere des Szymanowski-Konzertes gespielt, genau am Ort der heutigen Aufnahme, allerdings wohl in anderer Besetzung. 

Lisa Batiashvili, Foto @ Peter Adamik
Lisa Batiashvili, Foto @ Peter Adamik

Giorgi Gigashvili ist in der Sonate ein sehr interpretationssicherer Begleiter für Lisa Batiashvili, die die Sonate zwar mit viel Gestaltungsfreude spielt, sich aber im Anbetracht dessen, was auf dem Album noch folgt hier noch warmzuspielen scheint. Der Pianist arbeitet immer wieder schön das bestimmende Melodiethema heraus, ohne sich dadurch aber andere Gestaltungsmöglichkeiten zu verstellen. Er scheint des Werk gut zu erkennen, und lässt sich auf seine verschiedenen Passagen bedingungslos ein.

Lisa Batiashvili mit schimmernden Melodien

Das Violinkonzert von Karol Szymanowski spielt die Geigerin hingegen entfesselt. Sie gibt alles, nicht nur im Sinne von Dynamikspitzen, sondern wirklich im dramaturgischen Gesamtspektrum. Wehmütig singen hohe Melodien und gehen über in schmieriges, unstetes Schimmern, so wie Licht auf einer Öllache reflektiert. Schon fast mit Gewalt drückt Lisa Batiashvili Oktavmelodien durch den Raum, die “Academy of Music” in Philadelphia, um dann dem Orchester die kraftvolle Übernahme zu ermöglichen. Hintergründig zieht sie die Glissandi leiserer Töne während die Bläser des Philharmonic Orchestra präsenter gestalten können. Gleich im nächsten Moment entwickelt das große Ensemble dann wieder sinfonische Kraft, und setzt die Energie in Bässen und tiefem Schlagwerk griffig um, und gegen Ende des Konzertes wir diese Dramatik dann so intensiv, dass mir der Atem stockt. Der Dynamikumfang des Philadelphia Orchestra wirkt beim hören dieser Einspielung so weit und an beiden Enden doch kunstvoll ausgestaltet, geben die Musiker*innen des Orchesters gerade in den leiseren Flötenpassagen richtig viel Spannung in den Raum. 

Gerade am Ende des ersten Satzes beeindruckt auch die Aufnahmequalität, wenn das Orchester mit Pauken und anderem Schlagwerk in die Bassfrequenzen geht, mit glasklarer Abbildung.

Lisa Batiashvili, Foto @ Peter Adamik
Lisa Batiashvili, Foto @ Peter Adamik

“Poème” klingt dann noch mehr nach klassischem Violinkonzert, bei dem das Orchester die Solistin eher im Hintergrund durch die verschiedenen Stimmungen begleitet. Lisa Batiashvili gestaltet die Kadenz sehr erzählend und mit viel Ausdruckskraft, während das Philadelphia Orchestra sehr abwechslungsreich die Stimmungen und Landschaften im Hintergrund zeichnet. Dabei schaffen es die Musiker*innen gekonnt, der Solistin nie Raum zu nehmen, auch wenn sie in Crescendi mehr Größe erreichen müssen. Diese Balancekunst zieht sich durch die gesamte Aufnahme, lässt aber trotzdem auch gestalterische Höhepunkte zu. Die Geigerin beweist in diesem Werk ihre große Erfahrung, setzt dieses Werk durch eigens dafür gewählte Herangehensweise in Phrasierungen und Verzierungen interessant in den Kontext des Albums.

Fazit

Lisa Batiashvili hat hier ein besonders interessantes Programm zusammengestellt. Wirkt die Sonate zu Beginn noch eher bekömmlich, so pusten die beiden Orchesterwerke mir ordentlich frischen Wind durch meinen Reviewschädel, und ich springe mitten im hören unvermittelt begeistert auf. Alle, die diese Energien auch erleben möchten sind gut beraten sich diese CD zuzulegen.

Die Tracks

Icon Autor lg
Stefan Pillhofer ist gelernter Toningenieur und hat viel Zeit seines Lebens in Tonstudios verbracht. Er hat viel Hörerfahrung mit klassischer und Neuer Musik gesammelt und liebt es genau hinzuhören. In den letzten Jahren hat sich die Neue und zeitgenössische Musik zu einem seiner Schwerpunkte entwickelt und er ist stets auf der Suche nach neuen Komponist*innen und Werken. Stefan betreibt das Online-Magazin Orchestergraben, in dem er in gemischten Themen über klassische Musik schreibt. Darüberhinaus ist er auch als Konzertrezensent für Bachtrack tätig.
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