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Einfach Klassik.

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CD-Review: The Dvorak Album

Der Cellist Jan Vogler hat inmitten einer prominenten Konzert-und Aufnahmekarriere zwei spezielle Leidenschaften entwickelt. Seine künstlerische Leitung des Moritzburg Festivals, und die kammermusikalische Kooperation mit jungen Musiker*innen. Diesen gibt er damit Bühne, Erfahrungsgewinn und Entwicklungsmöglichkeiten in einem, und ganz nebenbei kommt dabei ergreifende Musik zu Gehör. Um dies auch zu dokumentieren hat Vogler beim letztjährigen Festival The Dvorak Album eingespielt, ganz den Werken des seinerzeit nicht weit von Moritzburg in seiner tschechischen Heimat wirkenden Komponisten gewidmet. Die beteiligten Musiker*innen unterstützt der erfahrene Cellist schon seit einiger Zeit, und das macht sich letztlich auch im Zusammenspiel bemerkbar. 

The Dvorak Album Cover

Die fünf beteiligten Musiker*innen bilden für die unterschiedlichen Werke unterschiedliche Besetzungen, und schaffen es dabei, sich in wirklich eindringlichen Stimmungen zu verzahnen.

The Dvorak Album mit Herz

Das Piano Trio “Dumky” ist hier ein Paradebeispiel. Chad Hoopes an der Violine und Tiffany Poon am Klavier führen die zugleich traurigen und wilden, emotionsgeladenen Stimmungen der böhmischen Einflüsse Dvoraks wie ein Kunstwerk auf, machen mit präzisen Tastenanschlägen und leichter Strichtechnik interpretatorischen Schulterschluss im piano des “Poco adagio”, und spielen sich im dritten Satz “Andante moderato” mit Bewegungsfreude die schnellen Ostinati hin und her, nicht ohne genug Raum für diese großen, majestätischen Melodien zu lassen. Gerade Tiffany Poon zeigt hier gleichzeitig Herz, Leidenschaft und Übersicht. Die vielen dankbaren Vorlagen des Komponisten zu großer Dramaturgie nutzen die drei Musiker*innen konsequent und schamlos aus, und die fehlende Bereitschaft zu verhaltener Interpretation wirkt äusserst sympathisch.

Das eher sehr klassisch wirkende Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur op. 87 spielt Vogler zusammen mit Kevin Zhu an der Violine, Matthew Lipman an der Bratsche und Juho Pohjonen am Klavier mit Größe und viel Volumen. Das Anfangsthema steht kraftvoll, mit breitem Strich im Mittelpunkt, während sich die Musiker im “Lento” nicht zu weit in die Stille fallen lassen, sondern wohl bewusst noch präsent bleiben, um jedes Detail immer noch sehr plastisch modellieren zu können. Diese Herangehensweise gefällt mir bei diesem Werk ingesamt sehr gut, denn im “Allegro moderato, grazioso” liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem grazioso, da alle Beteiligten hier mit starkem Rückgrat und erhobener Stirn spielen, und im “Finale. Allegro ma non troppo” packen die vier dann das ganze Feuer aus, das in Dvoraks Musik steckt.

Humoreske beeindruckt

Zum Abschluss von The Dvorak Album lässt dann nochmal Tiffany Poon ihre junges, aber bereits meisterhaftes Können aufblitzen, wenn sie die berühmte siebte Klavier-„Humoreske“ so gefühlvoll, mit Tiefe und überzeugendem Plan für die Agogik interpretiert. Die verblüffende Reife in ihrem Spiel begeistert mich seit Jahren, und sie wirkt sich in der Humoreske beeindruckend aus Es wird wohl nicht das letzte mal gewesen sein, dass Ihr im Orchestergraben-Blog über diese Pianistin gelesen habt.

Tiffany Poon, Foto © Sid Baker
Tiffany Poon, Foto © Sid Baker

The Dvorak Album ist ein wunderbares Beispiel dafür, wieviel Spaß es machen kann, wenn junge Leistungsfähigkeit mit Erfahrung und Status in positivem und bereicherndem Sinn zusammen kommt, und ich empfehle diese Aufnahme nicht nur den Fans des Moritzburg Festivals.

Titelfoto: Jan Vogler, Foto © Marco Grob

Die Tracks

Icon Autor lg
Stefan Pillhofer ist gelernter Toningenieur und hat viel Zeit seines Lebens in Tonstudios verbracht. Er hat viel Hörerfahrung mit klassischer und Neuer Musik gesammelt und liebt es genau hinzuhören. In den letzten Jahren hat sich die Neue und zeitgenössische Musik zu einem seiner Schwerpunkte entwickelt und er ist stets auf der Suche nach neuen Komponist*innen und Werken. Stefan betreibt das Online-Magazin Orchestergraben, in dem er in gemischten Themen über klassische Musik schreibt. Darüberhinaus ist er auch als Konzertrezensent für Bachtrack tätig.
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