Mozarts unvollendete Messe – Ein CD Review von Kai Germann

Messe

Obwohl Mozart bereits 1782 mit der Arbeit an seiner eigentlich zur Gattung der „missa solemnis“ gehörenden Messe in c-moll KV 427 begann, blieb diese aus nicht bekannten Gründen unvollendet. Das stilistisch sehr vielfältige Werk war nämlich keine übliche Auftragsarbeit für den Salzburger Erzbischof Colloredo, der dafür bekannt war, dass er allzu lange Kirchenwerke nicht mochte, zumal er sie höchstpersönlich abhielt. Insofern gab es zeitliche Vorgaben von allerhöchster Stelle, an die sich auch Mozart zu halten hatte. Für heutige Verhältnisse eigentlich undenkbar, dass sich ein Künstler bei seiner Arbeit so dermaßen einschränken musste. Daher ist es umso weniger nachvollziehbar, warum Mozart die Messe als Fragment zurückließ. War er mit dem Ergebnis vielleicht aus irgendeinem Grund unzufrieden? Wir werden es wohl nie erfahren. 

Forschungsmöglichkeiten

Das Salzburger Wunderkind hatte sich in diesem Jahr intensiv mit dem Werk von Johann Sebastian Bach auseinandergesetzt und war von dessen schöpferischer Begabung höchst beeindruckt. So wäre es denkbar, dass er die Arbeiten an der großen Messe unterbrach und dann ganz verwarf, da er sich auch bedingt durch den Tod seines ersten Kindes Raimund Leopold (der Knabe wurde nur 2 Monate alt) möglicherweise zu diesem Zeitpunkt überfordert fühlte. Mehrfach wurde versucht, das Konzert nach Mozarts Tod zu vervollständigen. Insbesondere das komplett fehlende „agnus dei“ hat die Forschung dazu veranlasst, teils aus anderen Mozart-Messen Rekonstruktionen herzustellen.

Trotzdem ist dem Salzburger Musikgenie mit seiner (erst später so benannten) „Großen Messe in c-moll“ neben seinem Requiem KV 626 eines der bedeutendsten und monumentalsten kirchenmusikalischen Kompositionen des Barockzeitalters gelungen.

Glasklar

Die brandaktuelle Einspielung von Marc Minkowski und den Les Musiciens du Louvre wird dem Werk des Meisters auf jede Weise gerecht. Ana Maria Labins glasklare Sopranstimme lässt das „et incarnatus“ zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden. Der Historie zufolge wurde dieser Part ursprünglich von Constanze Mozart (die beiden hatten im Jahr zuvor geheiratet) 1783 in der Salzburger Peterskirche uraufgeführt. Dokumentarische Nachweise darüber sind allerdings nicht vorhanden so dass es durchaus möglich ist, dass die erwähnte Aufführung gar nicht stattgefunden hat.

Als besondere Anspielempfehlung sei hier noch zusätzlich das „Quoniam“ genannt. Wunderschön die Gesangsleistung unter anderem des Tenors Stanislas de Barbeyrac.

Exzellenz und Qualität

Besonders hervorzuheben bei dieser neuen Aufnahme ist auch der exzellente Chor der Les Musiciens du Louvre, welcher hingebungsvoll zur sakralen Gesamtatmosphäre beiträgt.  

Die Klangqualität der Aufnahme ist hervorragend.  Die Stimmen sind allesamt präzise ortbar. Eine sehr gute Aussteuerung untermauert den positiven Gesamteindruck.

Messe
Marc Minkowski, Foto von Marco Borggreve

 

Marc Minkowski hat es auf beeindruckende Weise geschafft, Mozarts „Große Messe in c-moll“ mit viel Liebe zum Detail in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Da das Chorwerk mehrere Stilrichtungen miteinander kombiniert, eignet es sich auch sehr gut für Aufführungen außerhalb heiliger Hallen.

Punktabzug gibt es allerdings für das nur in englisch und französisch gehaltene Booklet des ansonsten schön gestalteten CD-Digipacks.

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