Einfach Klassik.

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Zum Tode von Nelson Freire – Ein Nachruf

Er war einer der ganz großen Pianisten auf diesem Erdball und dafür bekannt, um seine eigene Person nicht viel Aufhebens zu machen. Wenn er sprach, dann meistens über seine Musik. Jetzt ist Nelson Freire im Alter von 77 Jahren in Rio de Janeiro gestorben.

Die Konzertbühne war sein Leben. Wie oft teilte er sich diese gemeinsam mit Martha Argerich, einer ebenso virtuosen und weltbekannten Künstlerin am Klavier. Die beiden waren sowohl künstlerisch als auch freundschaftlich eng miteinander verbunden.

Nelson Freire wurde am 18. Oktober 1944 in Brasilien geboren. Bereits mit 5 Jahren hatte er seinen ersten Auftritt vor Publikum. Sein Talent brachte ihm ein Stipendium in Wien ein, wo er auch auf Friedrich Gulda traf. Der Beginn einer Weltkarriere, mit zahlreichen Preisen im Laufe seines Lebens ausgezeichnet.

Nelson Freire hat mit vielen begnadeten Orchestern musiziert, u.a. zählten Lorin Maazel und Rafael Kubelik zu seinen Begleitern. Sein Spiel war konzentriert und doch scheinbar so schwerelos, dabei frei von aufgesetzten Attitüden. Ich erinnere mich gut an seine Interpretation der beiden Klavierkonzerte von Brahms, zusammen mit dem Gewandhausorchester unter Leitung von Riccardo Chailly. Diese Aufnahme hat noch heute Referenzstatus und gehört in jede gut sortierte Klassik-Sammlung. Dabei hatte er sich lange davor verschlossen, überhaupt Aufnahmen für Tonträger einzuspielen, da ihm die Live- Atmosphäre des Publikums und das aktive Zuhören wichtig waren. Er war eigensinnig, aber stets im Dienste der Musik.

Auf dem Klavier-Festival Ruhr war Nelson Freire letztmalig 2017 zu erleben. Da spielte er Werke von Chopin und Schumann, Komponisten, die ihm besonders nahe waren.

Vor zwei Jahren brach er sich bei einem Spaziergang in Rio einen Arm und musst operiert werden. Die Folge dessen war ein totaler Rückzug aus dem Musikgeschäft. Er gab keine Konzerte mehr, weil die Situation für ihn stark belastend war.

Was von Nelson Freire bleiben wird, ist sein großes künstlerisches Vermächtnis, sein stiller und unprätentiöser Umgang mit der Musik, sowie seine unnachahmliche Stilistik.

Titelfoto: Nelson Freire, Foto: MichelxNeumeister

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Kai Germann ist Pädagoge und war 15 Jahre lang Radiomoderator in unterschiedlichen Sendeformaten. Schon als Jugendlicher früh durch Oskar Werner inspiriert, hat er sich intensiv mit Poesie, Literatur und klassischer Musik auseinandergesetzt und auch selbst Klavier gespielt. Neben dem Schwerpunkt Wiener Klassik liebt er Musik in all ihren Facetten. Er schreibt Film-Rezensionen und Klassik-Reviews (Konzerte, CD-Neuerscheinungen, Buchbesprechungen), führt Interviews zum Thema Film, Theater, klassische Musik, und hält sich gerne in Salzburg auf. Kai Germann möchte mit seinen Beiträgen nicht nur Kenner, sondern auch Neueinsteiger jeden Alters für die vielen unterschiedlichen Facetten der klassischen Musik begeistern.
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