CD-Review: Felix Klieser – Beyond Words

Von Kai Germann

Beyond Words


Nach seinem Erfolgsalbum der Hornkonzerte 1 – 4 von Wolfgang Amadeus Mozart legt Hornist Felix Klieser nun sein aktuelles Werk mit dem Titel Beyond Words vor.

Bei der Konzeption des neuen Albums ging es primär um die Frage, ob ein Horn dieselbe Ausdruckskraft haben kann wie die menschliche Stimme. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Ensemble CHAARTS Chamber Artists wählte Klieser bekannte barocke Arien von Händel, Bach, Vivaldi und Gluck aus, um sie – ganz ohne Worte – für das Horn umzugestalten. Ein ungewöhnliches Experiment, das sich aber im Endergebnis durchaus hören lassen kann.

Händels „Hallelujah“ aus dem „Messias“ so ganz ohne Chor und Gesang? Ein Wagnis! Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und dieses Album ist auf ganzer Linie ein Gewinn.

Wolfgang Renz, ehemaliger Oboist der Augsburger Philharmoniker hat sämtliche Arien in Zusammenarbeit mit Felix Klieser für das Horn umgeschrieben unter Berücksichtung der Tatsache, dass die Transkription so erfolgen musste, dass der Fokus dabei auf die maximale Klangfarbe des Horns zu legen war. Wie kann es gelingen, diesem Instrument Geschichten zu entlocken? Selbst dann, wenn der Text eigentlich bekannt ist….was erzählt die Musik und welche Assoziationen entstehen daraus? Dabei spielt es keine Rolle, unter welchen Voraussetzungen die Arien komponiert wurden. Die musikalische Sprache ist entscheidend und der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Der Spielraum, den die Interpretation dabei zulässt, ist dem Gespür des Solisten überlassen.

Beyond Words – Ein offenes Geheimnis

Yehudi Menuhin hat einmal gesagt, „die Musik spricht für sich allein, vorausgesetzt, man gibt ihr eine Chance“. Klieser und sein Ensemble haben diese Chance genutzt und ein eigenständiges Werk geschaffen, ohne dabei von der Melodie abzulenken oder sie zweckzuentfremden. Ganz im Gegenteil. Weltbekannte Arien erwachen dadurch zu neuem Leben und geben ein offenes Geheimnis preis, nämlich welche Kraft und welches Potenzial tatsächlich in ihnen steckt.

Felix Klieser Portrait
Felix Klieser, Foto von Maike Helbig


Der letzte Titel des Albums sei hier auch als besonderer Anspieltipp erwähnt. Händels „Ombra Mai Fú“ (Arie des Xerxes) gewinnt durch Kliesers Spiel eine besonders intensive Note. Ein wunderbares Arrangement welches beweist, dass das Konzept tatsächlich aufgeht oder anders ausgedrückt: it works without words!

„Beyond Words“ ist ein Album, das sich bei jedem Anhören neu erschließt und das man einfach nur genießen sollte. Wie Felix Klieser selbst sagt, ist nicht die Virtuosität, sondern der klangliche Ausdruck wichtig. Davon einmal abgesehen, ist auch die Tonqualität der Aufnahme hervorragend. Des Hornisten Spiel wird von den CHAARTS Chamber Artists perfekt unterstützt. Ein gelungener Auftakt für den Klassik-Frühling 2021. (Lesen Sie dazu auch unser Kurzreview zu Felix Kliesers „Mozart Horn Concertos“ bei den Klassik-Besten 2020)

Die Tracks

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